Frauen fordern Partizipation und Abschaffung des Scharia-Rechts

13. Oktober 2005, 11:21
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"Eine Kultur des Friedens schaffen" - Ergebnisse der Konferenz zur Rolle der Frauen im Sudan-Konflikt

Ein "riesiger Schritt" sei mit der dreitägigen Konferenz zur Rolle der Frauen im Sudan gesetzt worden, meinte die Teilnehmerin Mey Ahmed El Tayeb (siehe Einserfrage: Schritte auf dem Weg zum Frieden im Sudan?): Etwa 80 Frauen aus allen Teilen des Sudans und der ganzen Welt sind am vergangenen Wochenende in Wien zusammengekommen, um über ihre Schwierigkeiten zu sprechen und Strategien gegen den Krieg zu entwickeln. Wichtig sei es vor allem gewesen, alle zu integrieren - so hat beispielsweise auch eine Vertreterin der Umma-Partei aktiv teilgenommen, erklärt Barbara Götsch von der Diakonie Österreich, die die Konferenz maßgeblich unterstützte. "Zum ersten Mal konnten sich so viele verschiedene NGO-Frauen treffen, um auf breiter Ebene über ihren kleinsten gemeinsamen Nenner zu diskutieren und sich Strategien für ihre politische Partizipation zu überlegen."

Die Bedeutung des Knüpfens von Netzwerken von Frauen betont Ishraga Mustafa Hamid, die Organisatorin der Konferenz und Vorsitzende des Vereins NilDonau: "Wir müssen eine Kultur des Friedens schaffen. Nur ein Abkommen zu schließen reicht nicht." Wichtig seien Bewusstseinsbildung und Erziehung, und hier seien Frauen Vorbilder: "Sie können sich leichter die Hand reichen und miteinander versöhnlich sprechen." Bei der Konferenz sei ihnen das gelungen: "Die Frauen aus dem Süden haben mit den Frauen aus dem Norden gesprochen." Obwohl es natürlich genügend Missverständnisse gebe - "die Vertrauensbasis ist noch sehr dünn", erklärt Mustafa Hamid. "Doch umso wichtiger sind solche Treffen wie dieses. Und die Frauen haben das mit viel Kraft und Humor gut geschafft."

Die Frauen einigten sich in Wien auf die wichtigsten gemeinsamen Ziele sowie auf Handlungsstrategien, um diese umzusetzen, erklärt Götsch. So wurden Punkte ausgearbeitet, welche die Frauen im Rahmen der allgemeinen Ausarbeitung der Übergangsverfassung hineinreklamieren wollen: die Förderung der Partizipation von Frauen in der Politik auf allen Ebenen, die Abschaffung des Scharia-Rechts (besonders im Hinblick auf das Familienrecht) und die Implementierung einer demokratischen Gesetzessystems.

Weitere Forderungen der Konferenz sind capacity-building und einkommensfördernde Aktivitäten für Frauen, die Unterstützung von displaced women und marginalised groups sowie Lobbying und Anwaltschaft für die Sache der Frauen. Besonders wichtig wäre dabei eine follow-up-Konferenz, für die aber finanzielle Unterstützung der UNO oder anderer internationaler Organisationen nötig ist. Diese Konferenz sollte im nächsten Jahr im Sudan stattfinden, idealerweise in Nyala in Darfur. Einige der Frauen waren bereits im Frühjahr auf der Konferenz "Sudanese Women's Priorities and Recommendations to the Oslo Donor's Conference on Sudan" in Oslo gewesen - auf den Empfehlungen dieser Konferenz und der Peking Deklaration über die Frauenrechte baute die Konferenz in Wien auf. Ermöglicht wurde die Nildonau-Konferenz in Wien durch die Unterstützung von Institutionen wie dem Renner Institut und der Diakonie Österreich. (wpl)

  • Verschiedene Frauen-Organisationen aus dem Sudan und anderen Teilen der Welt trafen sich in Wien, um Gemeinsamkeiten und Differenzen zu diskutieren.
    foto: walter henisch

    Verschiedene Frauen-Organisationen aus dem Sudan und anderen Teilen der Welt trafen sich in Wien, um Gemeinsamkeiten und Differenzen zu diskutieren.

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