Frauenräume

16. November 2005, 07:00
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Zwanzig Frauen aus neun Ländern öffnen die Türen zu ihren privaten Räumen

Es ist wie durch ein Schlüsselloch zu schauen, um die Neugier zu befriedigen, wie andere Menschen wohnen, wie sie ihre vier - und mehr - Wände gestalten und zu rätseln, ob ihre Persönlichkeiten anschaulich abfärben. In diesem Bildband gestaltet sich dieses neugierige - oder nennen wir es interessierte - Schauen jedoch frei von jeder Anstrengung. Endlich hat der/die VoyeurIn ein breites Blickfeld und darf ungehindert seiner/ihrer Schaulust frönen.

Dabei ist architektonische Bildung nicht wesentlich, möglicherweise sogar einschränkend, weil es ja nicht unbedingt um Baustile und Designs geht, sondern um den Augenschmaus. Fülle, Stilmix, Buntheit will erheischt werden, deren sich die BetrachterInnen hingeben möchten wie einem Essgelage. Aber auch puristisch Angehauchte, die auf Kargheit, Klarheit, einfache Formen - und "bitte nix Verspieltes" - schwören, kommen zu ihrem Schaugenuss.

Bei jedem Umblättern steigt erneut die Spannung auf: wie lebt diese Frau und was bedeutet ihr Wohnen? Sucht sie die "Möglichkeit, um Kraft zu schöpfen" und "geistige Anregungen zu finden" (Hildegard Brauneck)? Ist ihr das Haus ein "Ort der Einsamkeit" (Marisa Albanese)? Will sie die "eigene Geschichte wiedergeben" (Magdalen Nabb)? Ist es ihr "Paradies" (Ginka Steinwachs)? Oder sogar der "Traum von einer besseren Welt" (Lena Vandrey)?

"Wenn Leben keinen Raum hat, hat alles andere auch keinen Raum", sagt die Künstlerin Bärbel Bohley. Dem möchte ich mich anschließen und Ihnen diesen Bildband mit den unterschiedlichsten Augen und Herz erfreuenden Wohnfeldern empfehlen. (dabu)

Anke Gebert:
Fotos: Ute Karen Seggelke
Frauenräume
Gerstenberg Verlag 2004
ISBN 3-8067-2929-8
Euro 24,95
  • Artikelbild
    foto: gerstenberg
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