1973er-Herzschmerz als Störpotenzial

25. August 2005, 19:09
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    Roxy Music's Bryan Ferry

In der Popmusik liegt ewige Wahrheit. Nur welche? Diese Woche: "In Every Dream Home A Heartache" von Roxy Music

Vieles von dem, was Max Horkheimer und Theodor W. Adorno vor mehr als fünfzig Jahren in "Die Dialektik der Aufklärung" geschrieben haben, gehört zu den grundlegenden Gewissheiten jeder kulturkritischen Argumentation. Gleichwohl enthält dieses große Buch auch einen großen Irrtum: Pop und Jazz sind nämlich keineswegs bloße Verdummungsinstrumente der Kulturindustrie.

Das Störpotenzial, das Adorno Arnold Schönbergs Zwölftonmusik zuschreibt, lässt sich ohne weiteres im Pop lokalisieren - zum Beispiel im Roxy-Music-Stück In Every Dream Home A Heartache, das von der spirituellen Leere einer vom Konsum geprägten Existenz handelt. So bestellt sich der zu normaler Kommunikation unfähige Erzähler eine aufblasbare Gummipuppe, um den menschlichen Partner zu ersetzen. Er ist begeistert von der Plastikhaut der neuen Gefährtin, lässt sie im Pool treiben, zieht sie täglich neu an - Liebe im Zeichen der Gefühlsindustrie. Spätestens wenn im Herzen des Erzählers ein diffuser Schmerz auftaucht, das "heartache" des Titels, weiß man: Es gibt kein richtiges Leben im falschen.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.8.2005)

Von Johannes Waechter

Tracklist Eric Weissberg/Steve Mandell "Dueling Banjos"
Brownsville Station "Smokin' In The Boys' Room"
Earth, Wind & Fire "Evil"
Elton John "Daniel"
Gladys Knight & The Pips "Midnight Train To Georgia"
Toots & The Maytals "Funky Kingston"
Neu! "Super"
New York Dolls "Looking For A Kiss"
T.Rex "Shock Rock"
Mott The Hoople "All The Way From Memphis"
Ellen McIlwaine "Jimmy Jean"
Cymande "Willie's Headache"
Faces "Glad And Sorry"
Kevin Coyne "Eastbourne Ladies"
Otto "Tiptoe Through The Tulips"
John Fahey "Hawaiian Two-Step"
Ann Peebles "I'm Gonna Tear Your Playhouse Down"
Marvin Gaye "Where Are We Going?"
Michael Nesmith "Prairie Lullaby"
Roxy Music "In Every Dream Home A Heartache"

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11 Postings
Jazz Pianist
08.09.2006 08:41

Das hat sicherlich schach verhindert ;-)

chris_sm
28.08.2005 13:05
1973 ohne Pink Floyd?

1973 war das Jahr indem The Dark Side of the Moon
erschien. Ein Klassiker der Rockmusik, der weit über
das Entstehungsjahr hinauswirkt, hier aber vollkommen unberücksichtigt blieb.

Doc Holliday
27.08.2005 16:44

von den songs dieser zumannenstellung ist midnight train to georgia von gladys knight ein ganz besonders feines lied, finde ich.
ansonsten gibts wahrscheinlich 100 supere sachen aus 1973, die da nicht drauf sind und mir jetzt auch nicht einfallen - wer mir aber einfällt, ist der einzigartige und unvergleichliche gram parsons und von dem ist nix drauf. böse!

Mondmann
26.08.2005 15:59
Tip!

Das wirklich fabelhafte, erst vor wenigen Jahren erschienene, Live-Doppelalbum von Roxy Music sei Interessierten empfohlen: Die Herren sind optisch zwar nicht mehr ganz knackfrisch, doch die Musik ist superb, mit Hauptaugenmerk auf die frühen, schillernden Jahre. Ferry, Manzanera, Mackay und Thompson in Hochform und noch ziemlich vital. Mein Tip interessiert zwar wahrscheinlich keine Sau, doch sagen wollte ich es...

Jazz Pianist
08.09.2006 08:34

Danke für den Tip !
Schade dass ENO bei der Reunion ned a bissl dabei war, aber der weilt ja in anderen Sphären.....und spielt ned LIVE...

Do the Stransky !!!

Stephen Morrissey
27.08.2005 13:59
interessiert nur dewegen nicht...

...weil man´s eh schon hat...;)

Mondmann
27.08.2005 19:47
Brav!

Brav, Stephen...

N. Kraft
26.08.2005 09:48
wenn

man schon was von den marvin gaye "let's get it on" sessions nimmt, warum nicht world is rated x oder youre the man? where are we going ist nicht das beste davon

roman g 
25.08.2005 22:57
Nix gegen weissberg, mcilwaine und fahey .....

...aber 73 war das jahr von "smoke on the water"!

Naughty Moose
26.08.2005 13:43

Nö, Machine Head erschien 1972

roman g 
26.08.2005 15:26
Oops!

Poinlich.

Meine entschuldigung: Als single kam der song tatsächlich erst mehr als ein jahr später raus. (Und das 2 mal; einmal als studio- und später als live-version.)

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