Nachlese: Spekulationen über Machtwechsel in Junta-Führung

7. November 2005, 11:43
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Staatschef offenbar von Stellvertreter entmachtet - Ermittlungen wegen Korruption und Nepotismus gegen Junta-Chef eingeleitet

Bangkok - Innerhalb der in Myanmar (Burma) herrschenden Militärjunta könnte es nach Informationen thailändischer Geheimdienstkreise zu einem Machtwechsel gekommen sein. Es kursierten Gerüchte, dass Staatschef Generalissimus Than Shwe durch seinen Stellvertreter General Maung Aye entmachtet worden sei, verlautete am Mittwoch aus Geheimdienstkreisen in Bangkok. Der thailändische Außenminister Kantathi Suphamangkhon erklärte vor Journalisten, derzeit handle es sich lediglich um ein Gerücht.

Nach thailändischen Presseberichten soll der 73-jährige Than Shwe in einem Krankenhaus in der Hauptstadt Rangun unter Arrest stehen. Der als Hardliner geltende Maung Aye steht an der Spitze der pro-chinesischen Junta-Fraktion, die sich allen Liberalisierungstendenzen energisch widersetzen. Im Oktober 2004 war Ministerpräsident General Khin Nyunt abgesetzt worden. Sein Sturz deutete nach Einschätzung von Diplomaten bereits auf eine Machtverschiebung innerhalb der Junta zu Gunsten der Hardliner hin, die Zugeständnisse an die Demokratiebewegung von Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi ablehnen.

Vorwurf der Korruption und Nepotismus

Nach weiteren Informationen aus burmesischen Emigrantenkreisen in Indien soll Maung Aye mit vier anderen Generälen am Montag während einer Junta-Sitzung Than Shwe entmachtet haben. Than Shwe wurde 1992 Staatschef. Auch er hatte als "Nummer 2" des Militärregimes seinen Vorgänger General Saw Maung gestürzt.

General Than Shwe war zuletzt am 20. August im staatlichen Fernsehen gezeigt worden. Nach Angaben thailändischer Geheimdienstkreise sollen gegen ihn Ermittlungen wegen Korruption und Nepotismus sowie Verwicklung in illegalen Waffenhandel eingeleitet worden sein. Auch gegen den gestürzten Premier General Khin Nyunt waren Korruptionsvorwürfe erhoben worden. Nach seiner Ernennung zum Regierungschef hatte Khin Nyunt im August 2003 einen Sieben-Punkte-Plan zur Demokratisierung des politischen Systems in dem südostasiatischen Land präsentiert. Ohne einen Zeitrahmen zu setzen, versprach er "freie und gerechte Wahlen auf der Grundlage einer neuen Verfassung".

Nationale Minderheiten

Ein von der Junta einberufener "Nationalkonvent" wurde von der Nationalen Liga für Demokratie (NLD) der Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi und von den Vertretern nationaler Minderheiten boykottiert. Die NLD hatte unter Suu Kyis Führung die Wahlen zur Konstituierenden Nationalversammlung im Jahr 1990 mit Vierfünftelmehrheit gewonnen, doch hatte das Militär die Machtübergabe verweigert. (APA/Reuters)

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    Staatschef Than Shwe (Bild) von seinem Stellvertreter gestürtzt?

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    Nach Informationen aus burmesischen Emigrantenkreisen in Indien soll Maung Aye (Bild) mit vier anderen Generälen am Montag während einer Junta-Sitzung Präsident Than Shwe entmachtet haben.

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