Aufknödelt

Redaktion, 30. August 2005, 12:55

Amtshandlung mit einem neuen Begriff

Herr G. O. hat am vorvergangenen Freitag in der Sendung "Am Schauplatz extra" einen Polizisten bei einer Amtshandlung beobachtet. Dabei ist ihm folgendes aufgefallen:

"Ein offensichtlich Betrunkener, der seine Hosentaschen ausräumen muss, fördert dabei auch eine beträchtliche Menge an Papiergeld hervor. Dies quittiert der Beamte mit einem: ,Na sag amal, du bist aber a ganz schön aufknödelt’."

Dieses Wort hat Herrn G.O gut gefallen. Wäre interessant zu wissen, ob "aufknödelt" lediglich im Privatwortschatz dieses Polizisten existiert oder ob es weiter verbreitet ist ("Der Herr Kovac, der Herr Androsch, der Herr Grasser.... ist ganz schön aufknödelt.").

Von
Christoph Winder

Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.

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12 Postings
Großartig!

Als Sammler von Kleinoden des Wiener Dialekts freue ich mich darüber, dass in den Postings zu "aufgnedlt" noch ein anderer Ausdruck aufgetaucht ist, der in den Wiener Mundartwörterbüchern fehlt: "auftschabradelt". Wer kennt das noch? Wer weiß, woher es stammt? Kann es jemand ableiten? Das wäre ein lohnendes Thema für eine Umfrage. Vielleicht will Christoph Winder diese Idee aufgreifen?

Zu "zsammgschwanzt" möcht ich sagen: Das ist in den alten Wörterbüchern schon zu finden, aber nur in der Form "aufgschwanzt" (= aufgedonnert): "Schau amoi, wia dea heit wieda aufgschwanzt is!" (Castelli). Ja, und "aufbrezlt" und "ausseputzt" kennt eh jeder ...

Ich vermute mal . . .

"Knödel" als Ausdruck für Geld kommt von daher, dass die Stritzis in Wien ihr Geld als Knödel an Bargeld - unter Nichtverwendung eines Geldbörsels oder eienr Brieftasche - im Hosensack trugen. In früheren Zeiten waren "1 Knödel" 100.000 ATS. So gesehen bei Herrn Schimanko sel.

Da scheint Ch. W.

... ein Wort aufgegabelt zu haben, das von den ansonst so gewissenhaften Autoren von Mundartwörterbüchern vergessen worden ist. Gratulation! Auch die Ableitung von "Knödel" (= Geld) klingt plausibel.

Und was ist mit

aufgebrezelt?
Sind das prinzipiell nur Mädels?!?

da kenn ich noch

auftschabradlt (aufgedonnert)

zsammschwanzt

Der Ausdruck "aufgeknödelt"

ist mir an sich schon ein Begriff, obwohl ich ihn eher kaum benütze. Aber so sensationell empfind ich den 'Ausdruck auch nicht; Knödel bzw. besser "Knedl" steht in Wien schon immer für Geld und "auf-" ist ja auch die in Wien allgemein gültige Präposition für eine Maximierung. Ein Aufgeknödelter ist halt dann einer der einen "ganzen Schippl Flieder umanandazaht" :-)

„aufgeknödelt“ (und „aufknödelt“) zeigt wieder, dass das Wienerische nicht ganz einfach in die Schriftsprache zu übersetzen ist. Es heißt „aufknedlt“ (kein -ge-, kein ö) bzw. „aufgnedLt“, weils ja der Wiener mit dem Unterschied von zum Beispiel g-k, d-t grundsätzlich nicht ganz so hat, und ein „L“ ist auf wienerisch mindestens zwei.
Aber die Einleitung „na sag amal, ...“ zeigt, dass sich die Geschichte wahrscheinlich gar nicht in Wien abgespielt hat, denn in Wien lauten die Einleitungen „nau heast ..., „nau seavas, ...“, meist begleitet von einem - oder zumindest im Abschluss noch nachgeschobenen - „Oida“.
So, und jetzt geh ich in die Stadt - wo ich grad so schön aufgmascherlt bin.

nau sag amal

ist eine Formel die in Döbling beheimatet ist, das nau servas und na hearst sind in den "Arbeiterbezirken" öfters zu finden, ttrotzdem ist sag amal durchaus wienerisch, wie ich es, seit Generationen Wiener beweise. Das L von dem Sie reden ist wahrscheinlich das Meidlinger L, das seinen Ursprung in der Tschechei hat und mit den Dienstboten, die in Meidling ansässig waren zu uns und in unsere Mundart kam. Mit anderen Worten, es gibt viele Formen des wienerischen, und das L alleine zeichnet den Wiener niemals aus.

Ein Meister der Meidlinger "edl" war ja der Herr Professor Schedling von der medizinischen Physik in der Währinger Straße.

Seine Vorstelung zu Studienbeginn "Mene Damen'nd Herrn, mein Name is Scheddlling. Alle dazu passendn Witze sin schon gemacht worn".

Und man muß natürlich auch auf die Sitzung der Cherusker in Krems in den LTdM von K. Kraus verweisen, in der bekanntlich die Heilrufe wie "Hedl" ertönen, und zwar aus Mündern mit Namen Pogatschnig. Homolatsch usw.

Sie haben natürlich recht. Das war jetzt ein sehr eingeschränkter Blick auf die Wiener Sprachlandschaft - das „Knödel“ hat mich wohl zu sehr fasziniert.
Danke übrigens für die Aufklärung zum L; fand ich sehr interessant.

Aufknödelt...

... kenn ich nicht, aber anknödelt als Bezeichnung für Schotterbarone (also die Gstopften) schon seit mindestens 20 Jahren

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