Übernahmepoker um die Porr

14. November 2005, 13:04
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Die Wiener Städtische will sich von einem Teil ihrer Porr-Aktien trennen, die die B&C-Stiftung haben will - Die Stadt Wien befürchtet eine Totalübernahme des Baukonzerns

Wien - Der Einstieg der Warimpex bei der Porr durch die Übernahme von 12,6 Prozent der Porr-Aktien aus dem Besitz der Städtischen ist - vorerst - gescheitert. Denn laut Syndikatsvertrag haben die beiden restliche Porr-Großaktionäre die von der Bank Austria gegründete B&C-Stiftung sowie der Tiroler Haustechnik-Unternehmer Klaus Ortner ein Vorkaufsrecht.

Die B&C-Stiftung, mit 37 Prozent größter Aktionär der Porr, will nicht nur den ihr zustehenden Anteil von 7,7 Prozent kaufen, sondern auch jene 4,9 Prozent, die Ortner zustünden. Gelingt das der Stiftung, stiege ihr Anteil an der Porr auf 49,9 Prozent. Sie hätte damit de facto die Mehrheit in der Hauptversammlung, weil nie alle Kleinaktionäre anwesend sind.

"Kartell-Problem"

Karl Schmutzer Geschäftsführer der operativen B&C-Holding, sagte zum STANDARD, er habe der Städtischen bereits mitgeteilt, dass er seinen Anteil (zwölf Mio. Euro) in jedem Fall kauft.

Doch am Freitag flatterte ein Brief von der Städtischen auf Schmutzers Tisch, in dem die Städtische nachfragt, "ob sich die B&C-Stiftung den Aktienkauf auch wirklich gut überlegt habe und keine zusätzlichen Porr-Aktien hält. Sollte die Stiftung über 50 Prozent kommen, bekäme sie ein Kartell-Problem", schildert Schmutzer den Briefinhalt.

Wörtlich sagte er: "Wir haben außerhalb des Syndikats nur etwa 160.000 Vorzugsaktien. Aber ich vermute die Städtische hat die Aktien nicht mehr. Der Jurkowitsch (Miteigentümer der Warimpex, Anm.) hat mir gesagt, er habe mit der Städtischen einen Vertrag über den Aktienkauf abgeschlossen.

Jurkowitsch fragte mich, ob auch die Stiftung verkauft, er würde gemeinsam mit einem ausländischen Partner alle Aktien kaufen." Nun setzt Schmutzer der Städtischen eine Frist. Sollte er innerhalb dieser die Aktien nicht bekommen, "werden wir den Rechtsweg beschreiten".

Ortner wartet

In der Städtischen, deren Verhältnis zur B&C-Stiftung nicht das Beste ist, versteht man die Eile nicht: "Warum will die Stiftung jetzt schon die Aktien, wenn Ortner noch nicht entschieden hat, ob er den ihm zustehenden Anteil übernimmt"?

Doch Ortner hat Zeit: "Die Frist läuft am 4. Oktober ab, ich werde mich rechtzeitig vorher entscheiden, so Ortner zum STANDARD. Ihm würde der Aktienkauf zum Preis von 115 Euro je Stück acht Mio. Euro kosten.

Für Schmutzer "spricht einiges dafür, dass Ortner nicht aufgreift", denn: "Gemeinsam mit seiner Frau hat Ortner bereits jetzt 26 Prozent an der Porr. Wenn er zukauft, müsste er das beim Kartellgericht anmelden."

Gegen Ortner spräche laut Schmutzer zudem das neue, Anfang 2006 in Kraft tretende Gesellschaftsänderungsrecht, wonach alle Geschäfte, die ein Aufsichtsrat (Ortner ist Präsident der Porr-Aufsichtsrates) mit dem Unternehmen macht, vom gesamten Aufsichtsrat zu genehmigen sind.

Egal wie sich Ortner entscheidet, für den Kleinaktionärsvertreter Wilhelm Rasinger steht fest: ein Übernahmeangebot durch die Stiftung wäre in jedem Fall fällig, "weil die Aktienverschiebungen gravierend sind". Schmutzer, sieht das nicht so: "Das Syndikat bleibt, es findet kein Kontrollwechsel statt."

Doch um ein für alle Mal Klarheit zu haben, hat Schmutzer selbst bei der Übernahmekommission den Antrag gestellt, zu prüfen, ob die Stiftung ein Übernahmeangebot machen muss. Teuer käme das der Stiftung allemal. Denn der Kurs der Porr-Aktie hat einen fulminanten Höhenflug hinter sich. Während die Aktie Ende 2004 noch um 88 Euro zu haben war, liegt der Kurs derzeit um die 130 Euro.

Stiftung will Einfluss

Schmutzers Ziel ist klar. Er will die Mehrheit an der Porr: "Unser Ziel bei allen Beteiligungen ist es, einen wesentlichen Einfluss zu haben", betont Schmutzer. Gelingt das der Stiftung, würde über kurz oder lang die Baufirma in ausländische Hände gehen, befürchten Kenner der Bauszene.

Denn eine nachhaltige Beteiligung an einer Baufirma ist nur für einen strategischen Investor sinnvoll, nicht aber für einen reinen Finanzinvestor wie die Stiftung. Interesse ausländischer Baufirma an der Porr gab es immer wieder: vor allem wegen ihrer guten Präsenz in Osteuropa, den Immobilienvermögen und den Bodenschätze wie Kiesgruben oder Steinbrüchen.

Bei der Stadt Wien, die über die Stadtwerke mit fünf Prozent an der Porr beteiligt ist, und an der Porr-Tochter Teerag-Asdag noch über 40 Prozent hält, schrillen ob der Begehrlichkeit der B&C-Stiftung bereits die Alarmglocken. Finanzstadtrat Sepp Rieder sagt deutlich: "Wir befürworten die Totalübernahme der Porr durch die B&C-Stiftung nicht und bemühen uns um eine ausgewogene Balance der Aktionäre."

Weitere Gespräche

Noch diese Woche finden weitere Gespräche statt. Die Stadt will verhindern, dass die Porr ein ähnliches Schicksal erleidet wie die BA-CA nach der Übernahme durch die HVB. Denn wie beim HVB-Deal trägt auch der Kampf um die Porr die Handschrift von Gerhard Randa, der seit dem Tod von Wolfgang Houska Vorstandsvorsitzender der B&C-Stiftung ist.

Als neuer strategischer Partner steht nach wie vor die Warimpex parat. Sie arbeitet mit dem Porr-Konzern seit Jahrzehnten erfolgreich in der Projektentwicklung im In- und Ausland zusammen. Zudem ist sie mit neun Prozent an der Porr-Tochter UBM beteiligt.

Um klare Aktionärsverhältnisse zu schaffen, will die Warimpex nun die restlichen Porr-Aktien der Städtischen kaufen. Doch der Beteiligungs-Vorstand der Städtischen, Martin Simhandl, beteuert: "Wir verkaufen unsere restlichen zehn Prozent an der Porr definitiv nicht."

Kompliziert wird die Situation noch dadurch, dass die BA-CA - aus Länderbank-Zeiten - auf einen größeren Paket stimmrechtsloser Porr-Vorzugs-Aktien sitzt. Aus der Bank heißt es dazu: "Wir haben aktuell keine Verkaufspläne, aber wenn jemand kaufen will ...".

Interessant wären die Aktien dann, wenn es zu der von Schmutzer und Rasinger gewünschten Verschmelzung von Vorzugs- und Stammaktien kommt. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.08.2005)

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    grafik: der standard
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