Hart und weich

23. November 2006, 21:02
4 Postings

Wer den Fahrradrahmen in Frage stellte, hatte oft gute Argumente - So wie die englische Rad-Schmiede Bates - Bike-History, Teil 1

Natürlich war nicht von Anfang an klar, wie ein ordentlicher Fahrradrahmen auszusehen hatte.

Immerhin sollte er die Kraft direkt und verlustfrei ans Hinterrad führen, den Fahrer aber komfortabel transportieren (am Anfang der Fahrradgeschichte sah praktisch jede Straße aus wie jene, die wir heute nur mit Mountainbikes befahren), er durfte nicht übergewichtig sein und sollte trotzdem nicht unter dem Fahrer kollabieren.

Mit dem klassischen Diamant-Rahmen schien eine Entwicklung abgeschlossen, und sie wäre es sicher auch gewesen ohne britische Rahmenbauer, die alles in Frage stellten. Diese waren über Jahrzehnte quasi der Asterix des Rahmenbaus, sie schickten eine Vielzahl mutiger, verrückter, sinnvoller und sinnloser Bikes mit "Funny Frames" auf eine Nebenfahrbahn der Fahrradgeschichte.

Das Bates mit seinen "Cantiflex Tubes" und der "Diadrant Fork" war eines der sinnvollsten. Anfang der 30er Jahre experimentierten die Brüder Horace und E.G. Bates mit Oversized-Rohren, um ihren Rahmen mehr Stabilität einzukonstruieren.

Blöderweise konnte niemand Muffen für diese dickeren Rohre fertigen, also entstanden die "Cantiflex Tubes" für die drei Hauptrohre: in der Mitte verdickt wie eine Zigarre, an den Enden aber klassisch dünn. Damit hofften die Brüder Bates, die Schwingungen der Rohre zu eliminieren, das Patent wurde im November 1935 erteilt.

Die Gabel mit den doppelt gebogenen Gabelscheiden kam kurz danach, die beiden Biegungen sollten den Komfort drastisch erhöhen, weil ja eine mehr federte als bei normalen Gabeln. Mit dem Topmodell BAR (Brakes All Records), gefertigt aus feinen Reynolds 531-Rohren, war die Entwicklung knapp nach dem 2. Weltkrieg abgeschlossen.

Das BAR unserer Geschichte stammt von 1948, die Komponenten sind typisch für die Zeit, mit 4 Gängen wird's am Hengstlpass schon etwas steil, aber die Höhenstraße scheint wie gebaut für das Bates: Es fährt sich auch nach heutigen Maßstäben direkt und agil, der Rahmen scheint alle Kraft in Vortrieb umzusetzen, während die Gabel das Kopfsteinpflaster bügelt, dass man fast an eine Federgabel glauben könnte.

Allerdings, versichern Bates-Besitzer, spürt man bei den günstigeren Modellen die versprochenen Effekte von "Cantiflex tubes" und "Diadrant Fork" deutlich weniger, und ein bisserl spielt sich ja auch im Kopf ab.

Nach der Trennung der Bates-Brüder fertigten Horace Bates (bis 1968) und sein Sohn Peter diese wunderbaren Rahmen bis Ende der 80er, dann übernahmen andere die Produktion.

Bates Rahmen sind noch immer neu erhältlich. Wer mehr wissen will, fragt Martin Coopland unter Reclassicbike@aol.com. (Dietrich P. Dahl, 22.8.2005)

Link
Bates Bicycles
Larbert, Scotland
  • "Funny Frame" Made in England: Das Bates BAR mit "Cantiflex Tubes".
    foto: dahl

    "Funny Frame" Made in England: Das Bates BAR mit "Cantiflex Tubes".

Share if you care.