Mehr Lehrlingsförderung mit "Blum-Bonus"

23. März 2006, 13:10
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Ab 1. September erhalten ausbildende Betriebe bares Geld für zusätzliche geschaffene Lehrstellen

Die Regierung verstärkt ab 1. September 2005 ihre Förderung für die Schaffung zusätzlicher Lehrplätze: Betriebe, die gegenüber dem Stichtag 31.12. 2004 zusätzliche Lehrplätze geschaffen haben, können künftig für das 1. Lehrjahr 400 Euro, für das zweite Lehrjahr 200 Euro und für das dritte Lehrjahr 100 Euro pro Monat an Förderungen bekommen. Arbeitsminister Martin Bartenstein verspricht sich davon rund 2.000 neue Lehrplätze, der Lehrlingsbeauftragte der Regierung, Egon Blum, bezifferte das Potenzial mit 1.500 bis 3.000 neuen Stellen.

"Blum-Bonus"

Der Blum-Bonus, offiziell "Projekt 06" genannt, soll zunächst auf ein Jahr eingeführt und danach evaluiert werden. Bartenstein schloss eine Verlängerung der Förderung nächstes Jahr zwar nicht grundsätzlich aus, betonte jedoch, dass sich die Prämie zu keiner dauerhaften Subvention entwickeln soll. Die neue Förderung wird zusätzlich zur seit einiger Zeit ausgezahlten Lehrlingsprämie (1.000 Euro pro Lehrling und Jahr) sowie zur bereits erfolgten Lohnnebenkostensenkung für Lehrlinge ausgezahlt.

Lehrstellenlücke schließen

Die Betriebe hätten lange nach weiteren Maßnahmen zu Gunsten der Ausbildung gerufen, "jetzt erwarte ich mit von der Wirtschaft, dass sie diese Möglichkeit nutzt", sagte Blum bei der Vorstellung des Projekts. Sollte der Bonus nächstes Jahr verlängert werden, werde als Stichtag weiterhin der 31. 12. 2004 gelten. Auch Gemeinden und Länder können um den neuen Bonus ansuchen.

Bartenstein bezifferte die für kommenden September erwartete Lehrstellenlücke mit 6.000 bis 6.500 Plätzen. Um diese zu schließen, gebe es 8.000 Lehrgangsplätze nach dem Jugendausbildungssicherungsgesetz (JASG) - davon 5.700 neu -, sowie die erwarteten 2.000 Plätze durch den Blum-Bonus. 7.700 neue Lehrplätze sollten zur Schließung dieser Lücke "ausreichen", sagte Bartenstein.

8.000 Euro pro Jahr

Die Finanzierung des Bonus sieht Bartenstein als nicht problematisch an. In dem Maß, in dem es gelinge, durch den Anreiz auf Betriebsebene Jugendliche aus den Lehrgängen in die Unternehmen zu bekommen, sei die Prämie leicht finanziert. Ein JASG-Ausbildungsplatz kostet das Arbeitsmarktservice (AMS) rund 8.000 Euro pro Jahr.

Hoffnung auf Lehrstellen in KMU

Der Lehrlingsbeauftragte der Regierung, Egon Blum, sieht namentlich kleine und mittlere Betriebe (KMU) als Adressaten für die neue Fördermaßnahme für die Entstehung neuer Lehrplätze. Größere Betriebe seien leichter in der Lage "wirtschaftsstrategisch" zu denken und daher Lehrlinge auszubilden, meinte Blum am Donnerstag auf eine Journalistenfrage. Auch Betriebe, die bisher nicht ausgebildet hätten, könnten um Förderung ansuchen, das Alter der Lehrlinge spiele für die Förderbarkeit keine Rolle.

"Wichtig ist, dass keiner auf der Straße bleibt", sagte Blum. Wenn Jugendliche nach Abschluss der Schule erst einmal keiner Arbeit und keiner Ausbildung nachgingen, falle die Aufnahme einer regulären Arbeit unverhältnismäßig schwer. Laut Blum kommen in den kommenden Jahren weitere "Herausforderungen" auf die Lehrlingsausbildung zu. Nach demographischen Berechnungen wird die Zahl der auf den Lehrstellenmarkt drängenden Jugendlichen bis 2009 steigen - um danach relativ abrupt um etwa 15 Prozent (gegenüber dem heutigen Niveau) abzufallen.

"Schaffung neuer Lehrplätze unmöglich"

Der Städtebund hat freilich erst vor kurzem die Schaffung zusätzlicher Lehrplätze durch Länder und Gemeinden für unmöglich erklärt. Die Gemeinden könnten die für die Gemeinden vorgesehenen 500 zusätzlichen Plätze praktisch nicht liefern, da sie bei Verwaltungsreform und innerstaatlichem Maastricht-Pakt zu ständigen Reduktionen gezwungen seien. Da die geplanten neuen Lehrlinge vermutlich großteils im öffentlichen Dienst bleiben wollten, würde dies zu einer Personalerhöhung von rund einem Prozent führen, hatte Städtebund-Generalsekretär Erich Pramböck vergangene Woche gemeint. (APA)

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