Polisario ließ alle marokkanischen Gefangene frei

Redaktion, 29. Oktober 2005 10:41

Manche der Geiseln verbrachten über 20 Jahre in der südwestalgerischen Wüste

Rabat - In dem seit Jahrzehnten andauernden Konflikt um die Unabhängigkeit von Westsahara hat die Rebellengruppe Polisario durch die Freilassung der letzten 404 marokkanischen Gefangenen ein Zeichen der Versöhnung gesetzt. Viele von ihnen hatten mehr als 20 Jahre in der südwestalgerischen Wüste um Tindouf verbracht.

US-Vermittlung

Die Westsahara-Befreiungsfront bestätigte Mitte August die Freilassung, die nach Angaben des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) unter Vermittlung der USA zustande kam. Die Freigelassenen sollten am Donnerstagabend in der marokkanischen Stadt Agadir eintreffen. In Marokko, aber auch international wurde der Schritt begrüßt. Die Polisario (Frente Popular para la Liberacion de Saguia el Hamra y Rio de Oro) kämpft für die Befreiung der vor drei Jahrzehnten von Marokko annektierten ehemaligen spanischen Kolonie Westsahara.

Die Polisario habe mit Vertretern des IKRK und des sahrauischen Roten Kreuzes eine Vereinbarung über die Freilassung der Gefangenen unterzeichnet, bestätigte der "Botschafter" der Rebellengruppe in Algier, Mohamed Beissat. Im Gegenzug müsse nun Marokko die in seinen Gefängnissen einsitzenden sahrauischen Häftlinge freilassen. Nach Angaben der Polisario hält Marokko derzeit rund 150 Kriegsgefangene und 35 politische Gefangene fest. Auch das Schicksal von 500 Verschwundenen ist demnach ungeklärt. Die Polisario hatte seit Beginn des Konflikts rund 1000 Marokkaner gefangen genommen, diese jedoch seit 1987 in mehreren Schritten wieder freigelassen. Zuletzt war im Januar 2005 eine Gruppe von Gefangenen freigekommen.

"Gerechtigkeit wurde genüge getan"

Die marokkanische Regierung begrüßte die Freilassung der verbleibenden Gefangenen. "Der Gerechtigkeit wurde genüge getan", sagte Regierungssprecher Nabil Benabdellah. Er dankte zudem den USA für ihre Vermittlung. Die Freilassung der Gefangenen wurde vom Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusses beim US-Senat, Richard Lugar, überwacht. Der republikanische Senator sollte am Freitag von König Mohammed IV. in Tetuan empfangen werden.

Eine Sprecherin des Weißen Hauses bezeichnete die Freilassung als Erfolg. Diese sei das Resultat "intensiver Bemühungen der USA, Marokkos und Algeriens" gewesen, betonte sie. Das spanische Außenministerium lobte den Schritt der Polisario als "Geste der Menschlichkeit". Dadurch werde den Bemühungen um eine Lösung des Konflikts um die Westsahara eine "neue Dynamik" verliehen, hieß es. Auch die deutsche Bundesregierung sprach von einem "wichtigen Schritt". Es gelte nun, die noch offenen Fragen bezüglich sahrauischer politischer Gefangener oder Verschwundener in Marokko zu klären, erklärte der Menschenrechtsbeauftragte des Berliner Auswärtigen Amtes, Tom Koenigs.

Die marokkanische Regierung hatte das rohstoffreiche Wüstengebiet nach Abzug der spanischen Kolonialmacht 1975 annektiert, worauf die Polisario mit algerischer Unterstützung einen bewaffneten Aufstand begann und einseitig die Unabhängigkeit der Westsahara erklärte. Die Demokratische Republik Sahara (DARS) wird von über 80 Staaten anerkannt. Seit einem 1991 geschlossenen Waffenstillstand bemüht sich die UNO um eine friedliche Lösung des Konflikts. Nach UNO-Angaben harren in der südwestalgerischen Wüste um Tindouf seit einem Vierteljahrhundert rund 160.000 Flüchtlinge aus, die auf ihre Heimkehr hoffen. Die UNO hat für 2008 ein Unabhängigkeitsreferendum vorgeschlagen, doch ist unklar, ob bei dieser Abstimmung auch die nach 1975 in die Westsahara eingewanderten Marokkaner wahlberechtigt sein sollen. (APA)

Leland Gaunt
18.08.2005 21:34
alternative berichterstattung

http://www.jungewelt.de/2005/08-19/008.php

Leland Gaunt
18.08.2005 19:33
mal sehen...

...ob marokko diese eindeutige geste erwidert, oder ob es wie seit jahrzehnten in seiner starren verweigerungshaltung verharrt.

langer marsch
19.08.2005 10:26
nehmen ...

... sie auch wetten an. oder: lesen sie "der könig, unser freund".

alles klar?

krowski.

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