Grazer Kunstuni-Rektor gibt Frau den Vorzug für neue Professur

17. Juli 2006, 14:31
posten

Zweitgereihte junge slowakische Gambistin statt Kandidat des Hauses

Graz - Nicht nur auf Verständnis stößt die Entscheidung des Rektors der Kunstuniversität Graz (KUG), Otto Kolleritsch, die neu eingerichtete Professur für Gambe mit einer Frau zu besetzen.

Entscheidung gegen Erstgereihten

Wie die "Kleine Zeitung" in ihrer Mittwoch-Ausgabe berichtete, hat sich Kolleritsch damit über den Erstgereihten - den Gambisten Lorenz Durftschmid - und damit den Dreiervorschlag der Berufungskommission hinweg gesetzt. Im Gespräch mit der APA bekräftigte Kolleritsch seine Entscheidung.

Seit 1988 ist Lorenz Duftschmid (41) Gastprofessor für Viola da Gamba und historische Aufführungspraxis am Institut für Alte Musik und Aufführungspraxis der KUG sowie musikalischer Leiter des Festivals für Alte Musik in Krieglach und Raumberg/Irdning. Für seine kulturellen Verdienste wurde dem Künstler 2001 der Große Joseph Krainer - Kulturpreis des Landes Steiermark zuerkannt.

"Eindeutig positiver"

Dennoch hatte er gegenüber der 34-jährigen Slowakin Rebeka Ruso keine Chance. "Die Leistungen bei der Präsentation, das heißt bei der Vorstellung von Unterricht und Spiel, sind für Ruso eindeutig positiver ausgefallen", so Kolleritsch. So gebe er - "nicht nur, weil in allen Ausschreibungen festgehalten wird, dass bei gleichem Ergebnis eine Frau zu bevorzugen ist" - der Kandidatin den Vorzug.

"Großes Potential"

Er halte Ruso für "eine Künstlerin und Lehrerin mit großem künstlerischem und pädagogischem Potenzial, die durchaus kein unbeschriebenes Blatt ist". So habe die Gambistin nach ihrem Studium in Bratislava ab 1993 am königlichen Konservatorium in Brüssel studiert, ab 1996 an der Scola Cantorum Basiliensis ein Aufbaustudium Viola da Gamba absolviert , Meisterkurse bei Jordi Savall besucht und war seit 2001 selbst Lehrbeauftragte an der Hochschule für Musik und Theater in Leipzig, der Scola Cantorum sowie in Straßburg und sei sowohl als Solistin als auch Kammermusikerin rege tätig. "Ich denke, dass so eine aufstrebende Persönlichkeit für unsere Universität sicherlich etwas bringen wird", so der Rektor.

An der Kunstuni wurden in den letzten Monaten drei Professuren - für Violine, Sprecherziehung sowie Instrumental- und Gesangspädagogik - an Frauen vergeben, drei weitere Berufungsverfahren seien im Laufen, so Kolleritsch. Zumindest auf eine weitere Stelle hat eine Frau eine gute Aussicht. (APA)

Share if you care.