Die Werbe-Aufreger des Sommers: Nackte Haut und Blut

18. Oktober 2005, 22:22
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Beschwerden über Neustart-Kampagne, Lauda Air, Depilan, Humanic - One schob Gewalt-Spots auf "ladezone.at" Riegel vor

Kein Sommerloch gibt es beim Österreichischen Werberat: Die Einrichtung zur Selbstkontrolle der heimischen Werbewirtschaft führte auf Grund von Konsumentenbeschwerden im Sommer mehrere Verfahren. Wie so oft betrafen viele Beanstandungen nackte Haut, Sex und Gewalt. Auch die aktuelle Kampagne des Bewährungshilfe-Vereins Neustart lässt die Gemüter hochgehen und sorgt für zahlreiche Beschwerden.

Beschwerden über Neustart-Kampagne

Mit zwei Plakaten wirbt Neustart derzeit um Spenden: Je ein nackter Mann und eine nackte Frau auf Startblöcken, wobei die Frau ein Verbrechensopfer symbolisiert, der Mann einen Täter. Beiden soll ein Neuanfang ermöglicht werden, so die Botschaft. Neben den "nackten Tatsachen" auf diesen Sujets stößt manchen Kritikern auch sauer auf, dass hier der Frau die "typische" Opferrolle zugeschrieben wird.

Der Verein weist das zurück: "Die Darstellung einer Frau als Opfer ist nicht 'sexistisch' und bedeutet auch keine 'Entwürdigung' der Opfer", heißt es in einer der APA vorliegenden Stellungnahme an den Werberat. "Laut Kriminalitätsstatistik sind bei rund 33 Prozent der Delikte gegen Leib und Leben, bei 85 Prozent der Sexualdelikte und bei 40 Prozent der Gesamtkriminalität Frauen die Opfer der Tat." Im Rahmen der Verbrechensopferhilfe für Gewaltopfer seien rund 73 Prozent Frauen bei Neustart in Betreuung.

Werberat zuständig?

Der Werberat ist sich aber noch gar nicht sicher, ob er überhaupt für die Kampagne zuständig ist, hieß es am Mittwoch auf APA-Anfrage in der Geschäftsstelle. Eigentlich beschränkt sich der Aktionsradius des Gremiums auf Wirtschaftswerbung, die Neustart-Aktivitäten dagegen könnten schlicht als Social Advertising firmieren.

Lauda Air, Depilan, Humanic im Visier

Weitere Verfahren des Werberats im Sommer betrafen unter anderem die Lauda Air-Sujets, die spärlich bekleidete Menschen zum Zahnarzt oder zum Shoppen schickt. Hier sah der Werberat keinen Grund zum Einschreiten. Ebenso bei der Kampagne für das Enthaarungsmittel Depilan, die nackte und naturgemäß enthaarte Menschen beiderlei Geschlechts abbildete. Auf Grund des Humanic-Spots, in dem eine Frau von ihrem Liebhaber aus vordergründig erotischen Motiven ans Bett gefesselt wird, dann aber nur vom Schuhkauf abgehalten werden soll, forderte der Werberat das Unternehmen auf, "in Zukunft sensibler vorzugehen".

Gewalt-Spots auf "ladezone.at"

Einen Erfolg vermeldete das Gremium schließlich auch bei im Internet verbreiteten Spots von "ladezone.at". Das Portal auf der Homepage des Mobilfunkbetreibers One brachte mehrere Clips unters Web-Volk, in denen das Blut nur so spritzte. One habe aber "rasch reagiert, sich massiv von den Brutal-Spots distanziert und zugesagt, 'Experimentierfreude' dieser Art in Hinkunft einen Riegel vorzuschieben", lobte der Werberat. (APA)

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Werberat

Zum Thema

dieStandard.at: "Join the Republic" – Eine irritierende Werbekamagne der Lauda Air wird auf Anregung einer "Betroffenen" mit einer Zitrone bedacht

Nachlese

Die Werbe-Aufreger im Frühling

  • Die Kampagne für den Verein "Neustart": "Verletzt und alleingelasen"
    foto: pkp

    Die Kampagne für den Verein "Neustart": "Verletzt und alleingelasen"

  • "Verurteilt und ausgeschlossen"
    foto: pkp

    "Verurteilt und ausgeschlossen"

  • Kader aus dem Humanic-Spot
    foto: cepko&co

    Kader aus dem Humanic-Spot

  • Lauda Air-Motiv
    foto: jwt

    Lauda Air-Motiv

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