Fünf Jahre Privatunis: Nach wie vor schmale Nische im tertiären Sektor

19. Oktober 2005, 15:36
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Präsidentin des Akkreditierungsrats Weck-Hanneman wünscht sich privat finanzierte Elite-Uni - Mittelfristig rund fünf Prozent aller Studenten an Privatunis

Wien - Eine privat finanzierte Elite-Universität, ähnlich den herausragenden Hochschulen wie man sie aus den USA kennt, wünscht sich die Präsidentin des für die Anerkennung von Privatunis in Österreich zuständigen Akkreditierungsrat (AR), Hannelore Weck-Hannemann. "Das wäre eine wunderbare Bereicherung", sagte die seit Anfang des Jahres amtierende AR-Chefin im Gespräch mit der APA. Die Realisierungschancen sieht sie allerdings skeptisch: Denn das gesetzliche Umfeld und die steuerlichen Abschreibungsmöglichkeiten für ein solches Projekt seien in den USA deutlich besser als in Österreich.

Seit fünf Jahren gibt es hiezulande Privatuniversitäten, doch der Bereich ist über eine schmale Nische im tertiären Sektor noch nicht hinausgewachsen. Der Akkreditierungsrat hat zwar kürzlich die zehnte und elfte Privatuni akkreditiert, dennoch studieren insgesamt nach Angaben des AR nur rund 3.600 Studenten an den privaten Hochschulen, das sind nicht einmal zwei Prozent aller Studenten an den staatlichen Unis.

Mittelfristig rund fünf Prozent aller Studenten an Privatunis

Weck-Hannemann rechnet aber fest mit einem weiteren Wachstum des Sektors, vor allem im Zusammenhang mit der steigenden Bedeutung des Lebensbegleitenden Lernens. Diese werde zu einer wachsenden Nachfrage nach Bildungsangeboten und entsprechendem Zuwachs bei den Privatunis führen, die hier "ein sehr wertvolles Zusatzangebot" bieten könnten. So rechnet die AR-Präsidentin, dass mittelfristig rund fünf Prozent aller Studenten an Privatunis studieren werden.

Ein Konkurrenzverhältnis der Privatunis zu den staatlichen Hochschulen sieht Weck-Hannemann im negativen Sinne, dass man sich Studenten wegnehmen, nicht. "Im positiven Sinn, dass es Anreize an den öffentlichen Unis gibt, nachzudenken, was man besser machen kann, gibt es aber sicher Ansätze einer Konkurrenz."

Auswirkungen der Aufhebung der Uni-Zugangsregelungen für EU-Bürger durch den Europäischen Gerichtshof (EuGH) auf den Privatuni-Sektor erwartet Weck-Hannemann keine. Sollte die starke Nachfrage aus Deutschland zu einer Verstärkung des Phänomens Massenuniversität führen, könnten private Alternativangebote allerdings attraktiver werden. Schließlich könne man einen gesicherten Studienplatz bieten, besser auf die individuelle Situation von Studierenden eingehen und Unterricht in kleinen Gruppen anbieten.

Forderung nach Akkreditierung von staatlichen Unilehrgängen erneuert

Weck-Hannemann erneuerte eine Forderung ihres Vorgängers an der Spitze des Akkreditierungsrats, Helmut Konrad, dass auch Universitätslehrgänge staatlicher Universitäten und anderer Anbieter durch den Rat akkreditiert werden sollten. Der Rat würde auch gerne die von der Regierung geplante Elite-Universität prüfen. Schließlich gehe die europäische Entwicklung deutlich in die Richtung, Qualitätssicherungsinstrumente und Akkreditierungen für alle Universitäten vorzusehen, so die AR-Chefin.

Dass der Akkreditierungsrat ein "Verhinderungsgremium" sei, wie immer wieder kritisiert wird, weist Weck-Hannemann zurück. "Gute 50 Prozent der beantragten Institutionen und Studiengänge" seien genehmigt worden. Derzeit sei ein Neuantrag einer Institution sowie mehrere von Studiengängen bestehender Einrichtungen in Bearbeitung. Zudem müssten bis Anfang nächsten Jahres drei bereits zugelassene Privatunis (die Katholisch-Theologische Privatuni in Linz, die Webster University und die IMADEC) auf Grund des Auslaufens der Genehmigungsfrist re-akkreditiert werden. (APA)

  • Die Imadec-Universität in Wien.
    foto: imadec

    Die Imadec-Universität in Wien.

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