Staatsratsvorsitzender: 160.000 Tote in beiden Tschetschenien-Kriegen

Seit Beginn des ersten Krieges 1994

Moskau/Grosny - In den beiden Tschetschenien-Kriegen der vergangenen zehn Jahre sind nach offiziellen Angaben 160.000 Menschen ums Leben gekommen. Von den Opfern seien etwa 100.000 russischer Abstammung, weitere 30.000 bis 40.000 seien tschetschenische Kämpfer oder Zivilisten gewesen, sagte der tschetschenische Staatsratsvorsitzende Taus Dschabrailow am Montag in Moskau.

Weitere Details nannte er nicht; auch äußerte er sich nicht zu der Lücke in seiner Aufzählung. Menschenrechtsgruppen bezweifelten die Angaben: Nach den Worten eines Vertreters der russischen Organisation Memorial hat sich die tschetschenische Regierung nie darum bemüht, die Opfer unter der Zivilbevölkerung zu zählen. Von russischer Seite seien bisher ebenfalls noch nie akurate Zahlen genannt worden.

Zehn Prozent der Bevölkerung

Dschabrailows Angaben würden bedeuten, dass gut zehn Prozent der tschetschenischen Vorkriegsbevölkerung in den beiden Kriegen umgekommen sind, weitaus mehr als von den Menschenrechtsgruppen geschätzt. Vor Beginn des ersten Krieges 1994 lebten rund 1,2 Millionen Menschen in der abtrünnigen Kaukasusrepublik, darunter viele Russen. Der zweite Krieg begann 1999; de facto geht er bis heute weiter.

Erst am Montag wieder kam ein etwa zwöljähriger Bub bei einem Autobombenanschlag in der Hauptstadt Grosny ums Leben. Neun Menschen wurden nach Angaben der Polizei verletzt, darunter vier Polizisten. Demnach explodierte die Bombe im Zentrum der Stadt in der Nähe eines Verwaltungsgebäudes. (APA)

Share if you care