Klima-Skeptikern gehen Argumente aus

12. Juli 2006, 14:30
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Europas Städte werden laut aktueller Studie heißer und heißer. Und auch Unstimmigkeiten bisheriger Klimadaten wurden nun endgültig ausgeräumt

Washington/Berlin - Europas Städte werden immer heißer, wie die jüngste, Freitag in Berlin vorgestellte Klimastudie der Umweltorganisation WWF zeigt: Seit 1975 stiegen die durchschnittlichen Sommertemperaturen am stärksten in Madrid: plus 2,2 Grad Celsius. Gefolgt von Luxemburg (zwei Grad), Stockholm (1,5 Grad) sowie Brüssel, Rom und Wien mit je 1,2 Grad. Lag die aus Tag- und Nachtwerten errechnete Sommerdurchschnittstemperatur in Wien 1975 noch bei 18,5 Grad, hält sie heute bei 19,7 Grad. Die Ursache laut Studie: zunehmender Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid durch Kraftwerke, Industrie und Autoabgase.

Für Österreichs Zukunft prognostiziert die Studie, so die Treibhausgasemission nicht gestoppt wird: Die Zahl der Tage mit Temperaturen über 30 Grad wird sich bis ins Jahr 2040 je nach Region vervielfachen: dreimal mehr in St. Pölten und Wien, fünfmal mehr in Salzburg und siebenmal mehr in Bregenz. Millionenschäden für Land- und Forstwirtschaft, weiteres Abschmelzen der Alpengletscher und Zunahme von gesundheitlichen (Herz-Kreislauf-) Problemen seien die Folge.

Neben diesen Daten nahmen Freitag auch drei Studien in Science den Skeptikern der globalen Erderwärmung den argumentativen Wind aus den Segeln. Bisherige Klimadaten hatten für die tiefste Schicht der Atmosphäre (Troposphäre) über den Tropen gezeigt, dass sich dort die Temperaturen mit nur 0,09 Grad Celsius pro Dekade kaum erhöhen, ja in einigen Gebieten sogar verringern. Nur am Boden, so hatte es den Anschein, steigen die Temperaturen. Aus dieser Diskrepanz schlossen einige Zweifler, Wissenschafter wie Politiker, dass die prognostizierte Erwärmung falsch sei.

Die neuen Studien zeigen nun, dass Instrumentenfehler zu dieser Diskrepanz führten: etwa Abweichungen in Messzeiten und Umlaufbahnen bei Satelliten, Beeinflussung der Messgeräte durch unterschiedliche Sonnenstrahlung bei Wetterballons. Die Aufheizung der Troposphäre pro Dekade liege den korrigierten Berechnungen zufolge bei 0,2 Grad - was mit den Klimamodellen und Erwärmungsprognosen übereinstimme. (fei, DER STANDARD, Print, 13./14.8.2005)

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