Bundesliga in "Sport am Sonntag" verboten

22. Dezember 2005, 22:11
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Oberster Gerichtshof entschied im Verfahren über einstweilige Verfügung für Premiere

Der Punkt geht an den Abosender Premiere: Der ORF darf vorerst in "Sport am Sonntag" keine Kurzberichte über Spiele der österreichischen Bundesliga senden, entschied der Oberste Gerichtshof in einer einstweiligen Verfügung.

Bis ein Gericht über die eigentliche Unterlassungsklage von Premiere gegen den ORF entschieden hat, ist der Anstalt nun untersagt, "in einer Sport-Unterhaltungssendung wie etwa 'Sport am Sonntag'" Kurzberichte von der Liga zu zeigen. Das Urteil liegt dem STANDARD vor.

Premiere hat dem ORF 2004 die Übertragungsrechte der ORF-Bundesliga für 42 Millionen Euro über drei Jahre weggekauft. Der Abosender bringt die Spiele live, ATV+ fasst sie bis auf wenige Livebegegnungen später zusammen.

Der ORF pochte auf sein Recht, die wichtigsten Sequenzen aus den Bundesligaspielen zu senden. Der Bundeskommunikationssenat räumte ihm 90 Sekunden Kurzberichte pro Spieltag ein. "Nachrichtenmäßige Kurzberichterstattung" erlaubt der Senat und verbietet in seiner Begründung "unterhaltungsmäßige Gestaltung" sowie die Integration der Kurzberichte in eine "längere Unterhaltungssendung".

ORF darf Senderechte nicht entwerten

Dahinter steckt die Überlegung: Der ORF habe zwar das Recht, über so wesentliche Ereignisse zu berichten, darf damit aber teuer erworbene Senderechte seiner Konkurrenz nicht entwerten.

Die Anstalt hält den Bescheid des Senates für verfassungswidrig. Offenkundig im Gegensatz zum Obersten Gerichtshof. Der entschied nun: "Durch das Recht auf Kurzberichterstattung soll die Information der Öffentlichkeit sichergestellt, nicht aber auch geschäftliche Interessen des Sekundärveranstalters (also des ORF, Anm.), wie das Interesse, Seher zu gewinnen und an sich zu binden, gefördert werden."

"Sport am Sonntag" "keine (jedenfalls keine reine) Nachrichtensendung"

"Sport am Sonntag" sei "keine (jedenfalls keine reine) Nachrichtensendung", sagt das Gericht. Und weist auch die Position des ORF zurück, die 90 Sekunden bezögen sich allein auf Bildberichte von der Liga: "Der Beklagte verkennt damit, dass die Höchstdauer von 90 Sekunden nicht für das vom Primärveranstalter zur Verfügung gestellte Bildmaterial, sondern für den Kurzbericht an sich gilt."

Für frühe Abonnenten des Premiere-Einsteigerabos wird das Fußballvergnügen nun teurer: Der Schnupperpreis von 9,90 € pro Monat gilt nur im ersten Jahr, danach fallen zumindest 24,90 € an.

Premiere muss schließlich 108.000 Euro Strafe hereinbringen, weil es dem ORF Ligabilder verweigerte. (fid/DER STANDARD, Printausgabe, 12.8.2005)

  • Das ORF-Magazin "Sport am Sonntag", sonntags um 18.30 Uhr in ORF 1. Rainer Pariasek und Boris Juirka moderieren alternierend.
    foto: orf/günther pichlkostner

    Das ORF-Magazin "Sport am Sonntag", sonntags um 18.30 Uhr in ORF 1. Rainer Pariasek und Boris Juirka moderieren alternierend.

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