Studie: Klimaschutz ohne USA und China geht nicht

5. Dezember 2005, 14:32
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Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung prognostiziert Schäden in Multimilliardenhöhe

Berlin - Nur mit großen Aufwendungen und auf breiter internationaler Basis unter Einschluss der USA und Chinas lassen sich nach einer Studie Schäden durch den Klimawandel in Multimilliardenhöhe vermeiden. Werde nichts getan, drohten bis 2050 durch den Klimawandel als Folge von Naturkatastrophen Schäden von bis zu 200 Billionen Dollar, hieß es in einer am Mittwoch in Berlin vorgestellten Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW).

Dies abzuwenden, würde Aufwendungen in zweistelliger Billionenhöhe erfordern, sagte die DIW-Expertin Claudia Kemfert in einem Reuters-Gespräch. Gehe man nur von einem vorsichtigeren Szenario aus, nämlich rund 100 Billionen Dollar Kosten als Folgen der Klimaerwärmung, "müsste man Kosten bis zum Jahr 2050 in Höhe von 18 Billionen Dollar aufwenden, um diese Klimaschäden zu vermeiden". Und wenn man nicht schnell beginne, werde es noch teurer.

Anreize statt Einbußen

Die Zahlen zeigten, dass es einer breiten weltweiten Zusammenarbeit beim Klimaschutz bedürfe. "Die Chance dafür sehen wir schon, aber nur, wenn solchen Ländern wie den USA und auch China wirtschaftliche Anreize gegeben werden, einem solchen Abkommen beizutreten." Insofern stelle die Studie auch einen Appell dar. Gerade mit Blick auf die USA und China müsse gewährleistet werden, dass keine wirtschaftlichen Einbußen durch verstärkte Klimaschutzanstrengungen entstehen. Möglich sei das, wenn man zu einer breiten technologischen Kooperation zwischen den Ländern käme, also gezielt in Technologien zur Vermeidung und Senkung von Schadstoffemissionen investiere.

Ein weiteres ökonomisches Instrument für mehr Klimaschutz wäre nach Kemferts Worten ein weltweiter Emissionsrechtehandel. An dem müsse das wirtschaftlich aufstrebende China beteiligt sein, das dabei mit angemessenen Emissionsrechten ausgestattet werden müsse. Das könnte in dem Land auch zu mehr Effizienz bei der Energienutzung führen. Mit den vorgeschlagenen Wegen könnten die Kosten des Klimaschutzes in 15 Jahren um rund 500 Milliarden Dollar gesenkt werden, sagte Frau Kemfert voraus. Voraussetzung wäre aber, dass man sich zugleich auf eine Emissionsminderung der EU-Staaten, der USA und Japans von jährlich drei Prozent bis zum Jahr 2050 einige.

Zahlen

Ausgangspunkt für die DIW-Berechnungen ist nach Kemferts Worten die These, dass eine Klimaerwärmung um 3,5 Grad Celsius bis 2100 drohe, die immer mehr Naturkatastrophen nach sich ziehen würde. Der weltgrößte Rückversicherer Münchener Rück habe zum Beispiel allein für 2003 eine weltweite Schadenssumme von 55 Milliarden US-Dollar durch Naturkatastrophen errechnet. Insgesamt gehe man davon aus, dass die Klimaerwärmung bis 2050 weltweit zu Schäden bis zu 200 Billionen Dollar führen könnte.

Um auf dem heutigen Stand zu halten, müssten die Treibhausemissionen gemessen am heutigen Stand um 60 bis 80 Prozent reduziert werden. Das würde Anpassungs- und Vermeidungskosten auslösen. Eine aktive Klimapolitik müsse jedenfalls konkrete Emissionsminderungsziele vorgeben. Das Kyoto-Protokoll, in dem solche Ziele bis 2012 enthalten seien, dem aber die USA und China nicht beigetreten sind, sei ein erster Schritt in die richtige Richtung. "Es trägt aber kaum dazu bei, dass der Klimawandel eingedämmt wird", bemängelte Kemfert. Das Kyoto-Protokoll müsse fortgeschrieben werden und vor allem die USA und China einbeziehen. (APA/Reuters)

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