"ë" in Russland aus öffentlichen Dokumenten verbannt - ein Wolga-Dorf will den geschmähten Buchstaben nun ehren
Moskau - In ganz Russland ist der Buchstabe "ë" in
offiziellen Dokumenten verboten - ein kleines Dorf jedoch will dem
geschmähten Zeichen nun ein Denkmal setzen. Nach jahrelangem Streit
hat sich die Wolga-Ortschaft Ulianowsk entschlossen, den heimischen
Bildhauer Alexander Sinin damit zu beauftragen, das "ë" in rotem
Granit zu verewigen, wie die Nachrichtenagentur
ITAR-TASS am Dienstag
berichtete.
Der Buchstabe war 1797 von dem aus Ulianowsk stammenden Dichter
und Historiker Nikolai Karamsin eingeführt worden. Es handelt sich
dabei um einen Diphtong, der dem Laut "io" entspricht. In der
Schriftsprache fallen die beiden Pünktchen jedoch häufig weg. In
offiziellen Dokumenten darf das "ë" gar nicht auftauchen, was vielen
Familien aus der Region Schwierigkeiten bereitet, weil es in
Nachnamen öfter vorkommt. Die Anhänger des seltenen "ë" haben jedoch
eine Berühmtheit auf ihrer Seite.
Der große Dichter Leo Tolstoi hat in seinem Klassiker "Anna
Karenina" die Figur Konstantin Lewin im russischen Original mit dem ë
ausgestattet, womit sich der Name "Liowin" ausspricht. Ohne die
Pünktchen hätte der Name auf eine jüdische Herkunft verwiesen, was
nicht in Tolstois Absicht lag.(APA)