Denkmal für einen Buchstaben

Redaktion, 16. August 2005 12:02
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"ë" in Russland aus öffentlichen Dokumenten verbannt - ein Wolga-Dorf will den geschmähten Buchstaben nun ehren

Moskau - In ganz Russland ist der Buchstabe "ë" in offiziellen Dokumenten verboten - ein kleines Dorf jedoch will dem geschmähten Zeichen nun ein Denkmal setzen. Nach jahrelangem Streit hat sich die Wolga-Ortschaft Ulianowsk entschlossen, den heimischen Bildhauer Alexander Sinin damit zu beauftragen, das "ë" in rotem Granit zu verewigen, wie die Nachrichtenagentur ITAR-TASS am Dienstag berichtete.

Der Buchstabe war 1797 von dem aus Ulianowsk stammenden Dichter und Historiker Nikolai Karamsin eingeführt worden. Es handelt sich dabei um einen Diphtong, der dem Laut "io" entspricht. In der Schriftsprache fallen die beiden Pünktchen jedoch häufig weg. In offiziellen Dokumenten darf das "ë" gar nicht auftauchen, was vielen Familien aus der Region Schwierigkeiten bereitet, weil es in Nachnamen öfter vorkommt. Die Anhänger des seltenen "ë" haben jedoch eine Berühmtheit auf ihrer Seite.

Der große Dichter Leo Tolstoi hat in seinem Klassiker "Anna Karenina" die Figur Konstantin Lewin im russischen Original mit dem ë ausgestattet, womit sich der Name "Liowin" ausspricht. Ohne die Pünktchen hätte der Name auf eine jüdische Herkunft verwiesen, was nicht in Tolstois Absicht lag.(APA)

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