Student mit Anstellung

7. März 2006, 12:45
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Die Vienna Graduate School of Finance bietet ab Herbst 2005 einen neuen PhD in Finanz­wirtschaft an - Zudem machen Finanzspritzen es möglich, Studenten auch anzustellen

Ein neuer Abschluss kommt selten allein, könnte man in diesem Fall sagen, und so ist es auch: Die Einführung der PhD-Ausbildung (Doctor of Philosophy) im Fachbereich Finanzwirtschaft ab Herbst 2005 geht mit der Neugründung der Vienna Graduate School of Finance (VGSF) einher. Diese wiederum ist eine Kooperation der Universität Wien, der Wirtschaftsuniversität Wien und des Instituts für Höhere Studien. "Eine Universität allein schafft es nicht, das Angebot inhaltlich abzudecken", meint Engelbert Dockner, Vorstand des Instituts für Finanzwirtschaft an der Uni Wien, weshalb sich die "drei gleichberechtigten Partner" zusammengetan hätten.

Neuer Job: Forschung

Die Idee dahinter: "Eine international orientierte Doktoratausbildung zu schaffen, und gleichzeitig den Studierenden eine finanzielle Unterstützung zu geben", was der Fonds zur Förderung der Wissenschaftlichen Forschung (FWF) gewährleistet. Im Unterschied zum vor sieben Jahren gestarteten gewöhnlichen Doktoratstudium können so "sechs bis acht Studierende angestellt werden", auf dass diese sich abseits aller finanziellen Sorgen der Forschung widmen können.

Natürlich kann auch jeder andere, der sich dafür interessiert, das Studium belegen, wie Dockner ausführt: "Der PhD ist an der WU und an der Uni Wien als reguläres Studium eingerichtet, sodass jeder, der die Kriterien erfüllt, anfangen kann." Diese Kriterien - die noch keine Stipendientauglichkeit ausmachen - präsentieren sich dann unerwartet locker: "Es müssen Absolventen eines Master- oder Magisterstudiums sein", so Dockner. Dabei ist man jedoch ungewöhnlich "offen, was den Background betrifft: Das kann durchaus ein Betriebswirt sein, aber wir ermuntern genauso Physiker, sich zu bewerben."

"Internationaler Mix"

Schließlich wolle man neben einem "Mix der Internationalität auch einen der individuellen Fähigkeiten und des Stils" erreichen. Unter diesem Aspekt erklärt sich auch die Dauer des PhD-Programms, die Dockner mit vier Jahren angibt. "In den ersten beiden Jahren belegen die Studenten Kurse, in denen sie laufend mit verschiedenen finanzwirtschaftlichen Konzepten konfrontiert werden. Dabei müssen sie aber von Anfang an selbstständig Forschungsideen einbringen und kleine Forschungsarbeiten erstellen."

Solcherart auf ein einheitliches Niveau getrimmt, beginnt im dritten Jahr die eigentliche Arbeit an der Dissertation. Das Studium stellt sich somit als "sehr zeitintensiv" dar, "sodass ein Teilzeitstudium, berufsbegleitend, nur sehr schwer möglich sein wird". Womit Dockner jedoch niemanden davon abhalten wolle, es ohne Stipendium zu probieren.

In Bezug auf die aktuelle Situation, in der die Universitäten durchwegs finanziell schlecht dastehen, ist Dockner überzeugt, dass "die Bologna- Philosophie" der internationalen Abgleichung von Studien und den entsprechenden Abschlüssen "eine Chance darstellt, die Diskussion über den offenen Hochschulzugang alternativ zu sehen". So könne man "durchaus sagen, es muss uns als Gesellschaft wichtig sein, viele junge Leute an die Hochschulen zu bringen und ihnen eine gute Ausbildung im Rahmen des Bakkalaureats zu bieten".

Doch sei es "überlegenswert, dies beim Magister- und Doktoratstudium enger zu fassen: Da kann man durchaus andenken, höhere Studiengebühren einzuführen und Eignungsprüfungen zu machen." (DER STANDARD, Printausgabe)

Von Bernhard Madlener

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Vienna Graduate Scool of Finance

  • Engelbert Dockner, Vorstand Institut für Finanzwirtschaft, Uni Wien.
    foto: privat

    Engelbert Dockner, Vorstand Institut für Finanzwirtschaft, Uni Wien.

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