"Online-Kampagne darf nicht Abklatsch der klassischen Kampagne sein"

26. September 2007, 16:44
7 Postings

Michael Katzlberger, Geschäftsführer von Tunnel23.com, über "emotionale Banner" und den Unmut über Shaped-PopUp & Co

etat.at: Online-Werbung hat im Media-Mix bei vielen Unternehmen noch nicht den Stellenwert der ihr reichweitenmäßig zustehen würde. Warum zögern manche Unternehmen noch immer, in Online-Werbung zu investieren?

Katzlberger: In vielen Unternehmen und klassischen Werbeagenturen fehlt ganz einfach die Zeit sich auf das fremde Terrain der Online-Werbung zu wagen. Nebenbei hat der Unmut über Shaped-PopUp und Co wohl viele Kunden abgeschreckt. Wird die Werbung dem Medium entsprechend intelligenter eingesetzt, werden noch viele Unternehmen folgen.

etat.at: Wer betraut Sie in der Regel mit den Etats für Online-Werbung – direkt der Kunde oder seine klassische Agentur?

Katzlberger: Der Kunde.

etat.at: Wie funktioniert die Abstimmung/ Zusammenarbeit mit Werbeagentur und Mediaagentur, insbesondere bei crossmedialen Kampagnen?

Katzlberger: Eine Online-Kampagne darf nicht der Abklatsch der klassischen Kampagne sein. Da ist der Spagat oft sehr schwierig. Im Idealfall gibt es ein integriertes Werbekonzept klassisch – direkt – online. Die Online-Microsite ist in diesen integrierten Fällen die ideale Basis eines integrierten Konzeptes.

Die Zusammenarbeit mit den Mediaagenturen funktioniert derzeit hervorragend. Man muss sich als i-Agentur aber auch die Zeit nehmen, mit Ihnen über die Möglichkeiten der technischen Umsetzung von Kampagnen zu sprechen. Wenn man da ein harmonisches Team hat, kommt meist was Tolles raus.

etat.at: Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit Vermarktern/Medien? Lassen sich Kampagnen medienübergreifend standardisiert schalten oder ist hier nach wie vor Abstimmungsarbeit notwendig?

Katzlberger: Grundsätzlich kann man sagen, dass die Zusammenarbeit mit den Vermarktern viel professioneller abläuft als noch vor wenigen Jahren. Technisch könnte man sich manchmal besser austauschen, aber die Richtung stimmt.

etat.at: Online und Technik: Wie techniklastig ist die Arbeit einer i-Agentur? Behindern oder unterstützen Technik und Standards (z.B. IAB-Standards) die Branche?

Katzlberger: Man könnte sichs einfach machen und den Standards gemäss Banner basteln. Aber wir sind hungrig und arbeiten intensiv an intelligenten und interaktiven Werbeformen, die mehr transportieren als bloss die Werbebotschaft. Wir nennen sie auch "emotionale Banner", weil Sie auf bestimmte Stimmungen reagieren können. Da steckt eine Menge Know-How dahinter. Die IAB-Standards haben uns sehr geholfen, den Workflow zu verbessern.

etat.at: Welche Formate von Online-Werbung setzen Sie am liebsten ein?

Katzlberger: Das sind ganz klar Sonderwerbeformen. Wir lieben die Flash-Technologie und ihre vielfältigen Möglichkeiten und versuchen uns stets weiterzuentwickeln. Da haben wir noch viele spannende Jahre vor uns.

etat.at: Welche Online-Werbekampagnen brachten Ihnen und Ihren Kunden bisher die größten Erfolge?

Katzlberger: Im letzten Jahr waren es die Werbeformen für die Marken Axe und Aspirin die sehr gut gelaufen sind. Highlight 2005 war die letzten Kampagnen für tele.ring twist und formel 10 und die Schaltung von Video-Bannern für Renault. Das freut uns, die Agentur und den Kunden. Zur Hochform können wir auflaufen, wenn die klassische Agenturen gute Kampagnen machen und uns der Kunde Freiheiten in der Online-Umsetzung lässt.

etat.at: Zur Beurteilung des Kampagnenerfolgs: Wie stark spielen Zahlen (und welche) eine Rolle?

Katzlberger: Klickraten spielen nach wie vor eine wichtige Rolle. Für den Kunden und natürlich auch für uns. Wichtiger für uns intern ist aber die Beurteilung des Gesamtkonzepts einer Kampagne – im Idealfall bringen die kreativsten Umsetzungen auch die maximale Userinteraktivität.

etat.at: Welches Online-Werbeformat ist Ihnen als privater Internetuser am sympathischsten? Und welches stört Sie in Ihrem Nutzerverhalten am meisten?

Katzlberger: Ich finde alle Sujets sympathisch, die mich kreativ überraschen. Mit seitenüberlagernden Shaped-Popup-Schaltungen kann ich nicht viel anfangen. Als Heavy User reflektiere ich oft auf Banner mit maximalen Informationsgehalt. (ae)

Zur Person

Michael Katzlberger ist Geschäftsführer von Tunnel23.com.

  • Artikelbild
    foto: tunnel23
Share if you care.