Die Telering-Story

9. Juni 2006, 12:04
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Gründung 1996 als Ableger von ÖBB und Verbund - 2001 wurde tele.ring von Vodafone an Western Wireless verkauft

Wien - Als Tochter von ÖBB und Verbund-Konzern gegründet schaffte es Telering - nach kleineren Startschwierigkeiten - mit einem "1-Cent-Tarif" und dem Werbeslogan "Weg mit dem Speck" die etablierte Konkurrenz vor sich herzutreiben.

November 1996: Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) und der Energiekonzern Verbund einigen sich, ein Telekomunternehmen namens Telering zu gründen. Es soll Mietleitungen und Datendienste anbieten und die Leitungsinfrastruktur der beiden Unternehmen nutzen.

November 1997: ÖBB und Verbund beginnen mit der Suche nach einem internationalen Partner.

Mai 1998: Der deutsche Traditionskonzern Mannesmann steigt bei Telering ein und erwirbt 74,8 Prozent.

Dezember 1998: Telering startet unter der Bezeichnung "1012 Privat" mit seinem Festnetzangebot.

Jänner 1999: Telering und Citykom Austria (ein Zusammenschluss diverser Stadtwerke) fusionieren.

Mai 1999: Telering kauft die vierte GSM-Mobilfunkfrequenz zum Preis von 1,35 Mrd. Schilling (98,1 Mio. Euro). Zuvor hatte der Mitbewerber UTA überraschend sein Angebot zurückgezogen. Den Auftrag für den Netzausbau erhält der französische Ausrüster Alcatel.

Mai 2000: Das Mobilfunkangebot von Telering geht "on air".

November 2000: Die UMTS-Lizenzen werden versteigert. Wie die anderen drei Mitbewerber auch erhält Telering Frequenzpakete für die dritte Mobilfunkgeneration.

Dezember 2000: ÖBB und Verbund verkaufen ihren 25,2-Prozent-Anteil. Die Anteile werden vom Mehrheitseigentümer Mannesmann/Vodafone übernommen, der kurz darauf auch die Citykom-Anteile erwirbt und somit Telering zu 100 Prozent den Deutschen gehört. Der britische Telekomkonzern Vodafone hatte zuvor Mannesmann erworben. Telering gibt bekannt, das Ziel von 100.000 Kunden erreicht zu haben.

Mai 2001: Vodafone verkauft Telering zu 100 Prozent an den US-Konzern Western Wireless International.

August 2001: Telering baut fast 100 Mitarbeiter ab - jeder siebente Beschäftigte verliert den Job.

Juli 2002: T-Mobile Autria-Manager Michael Krammer übernimmt die Marketing- und Vertriebsleitung bei Telering. Das Unternehmen steht kurz vor Erreichen der operativen Gewinnzone.

Oktober 2002: Der Mobilfunker gibt bekannt, nochmals Mitarbeiter abzubauen. Ein Zehntel der Telering-Belegschaft muss gehen. Gleichzeitig wird der 1-Cent-Tarif eingeführt, der sich später als das Schreckgespenst für die Mitbewerber herausstellt und der Grundstein für den Erfolg von Telering legt.

Februar 2003: Telering-Chef Hubertus Hofkirchner kündigt an, dass Telering künftig als Mobilfunk-Diskonter wachsen will. Er sprach von einem "Hofer des Mobilfunks". Die Kundenzahl stieg 2002 auf 515.000, davon 342.000 im Mobilfunk.

Mai 2003: Der Mobilfunker erreicht erstmals im Quartal ein positives Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibung (Ebitda).

Jänner 2004: Hofkirchner geht, Krammer übernimmt die Führung von Telering.

Jänner 2005: Das US-Telekommunikationsunternehmen Alltel übernimmt die Telering-Mutter Western Wireless für sechs Mrd. Dollar (rund 5 Mrd. Euro). Alltel will sämtliche Auslandsbeteiligungen von Western, allen voran Telering abstoßen.

Februar 2005: Telering meldet Schuldenfreiheit. Knapp zwei Jahre vor Fälligkeit Ende 2006 hat Telering 177,3 Mio. Euro an Vodafone überwiesen und damit den bei der Übernahme durch den US-Mobilfunkkonzern Western Wireless International (WWI) gewährten Kredit abgezahlt.

Mai 2005: Telering hat im ersten Quartal 2005 bei Umsatz, Ergebnis und Kunden weiter zugelegt. Für das Gesamtjahr strebt Krammer ein Umsatzplus von mindestens 9 Prozent, eine "deutliche Steigerung" der Marge beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) und das Überschreiten der Millionen-Grenze bei der Zahl der Handykunden an. Die ersten Gerüchte über einen bevorstehenden Verkauf der Western Wireless-Tochter werden laut.

Juli 2005: Die Telering-Mitarbeiter kündigen Streiks und Enthüllungen bei einem möglichen Verkauf an T-Mobile an. Im letzten Moment erzielen Betriebsrat und Management eine Einigung, die den Streik abwendet. Die Belegschaft erhält eine beschränkte Jobgarantie und die Zusage, bei einem Verkauf mehrere Monatsgehälter ausbezahlt zu bekommen.

August 2005: Der 1,3 Mrd. Euro schwere Verkauf von Telering an T-Mobile Austria und damit die erste Fusion am österreichischen Handymarkt ist praktisch perfekt. Nach Abschluss der Kartellverfahren will T-Mobile Telering bis zum Jahresende in den Konzern integrieren. (APA)

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