Gott Zufall legt die Karten

Redaktion, 4. August 2005, 17:19
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    foto: constantin

Eine Stadt als Verunsicherungs- Territorium: Paul Haggis' episodisches Drama "L.A. Crash"

In seinem episodischen Drama "L.A. Crash" porträtiert Regiedebütant Paul Haggis Los Angeles als Verunsicherungsterritorium und US-Bürger unterschiedlichster Herkunft mit ihren Ängsten.


Wien - Auf einer amerikanischen Website kann man gegenwärtig einen eigentümlichen Test durchspielen: Gezeigt werden Szenen mit weinenden, kauernden, drohenden, grimassierenden Menschen, denen man Begriffe zuordnen kann: Zorn, Verzweiflung, Angst, Sicherheit usw. Hat man, so die Testfrage, die Lage richtig eingeschätzt?

Die Website heißt www.crashfilm.com und bewirbt ein Regiedebüt, das in den USA zuletzt heftig debattiert wurde: Crash (deutsch: L.A. Crash), inszeniert von Drehbuchautor Paul Haggis (Million Dollar Baby), stellt nämlich nichts weniger infrage als eine klare, fundamentalistische Einteilung der Gesellschaft in gut/böse, sicher/ unsicher, weltoffen/paranoid.

Dass ihm aufgeschlossene, intelligente Menschen in diesem Zweifel Recht geben, ist allein schon an der Tatsache abzulesen, dass Haggis Stars wie Sandra Bullock, Brandon Fraser oder Matt Dillon quasi um ein Butterbrot für seinen Film gewinnen konnte. Dass das Thema im Gefolge von 9/11 in den USA einiges an Brisanz gewonnen hat, hat seinen Niederschlag darin gefunden, dass Crash mit siebenstelligem Budget bis dato über 50 Millionen Dollar eingespielt hat. Tendenz, jetzt wo der Film in die europäischen Kinos kommt: weiter steigend.

Die episodische Form, in der Haggis nun Los Angeles als Verunsicherungsterritorium und US-Bürger unterschiedlichster Herkunft mit ihren Ängsten porträtiert, ist nicht ganz neu. Lawrence Kasdans Grand Canyon, Robert Altmans Short Cuts wären als "Vorbilder" ebenso herbeizuzitieren wie zuletzt Paul Thomas Andersons Magnolia und Steven Soderberghs Traffic.

Kalkulierte Ambivalenz

Auch Crash etabliert zuerst mehrere prekäre Einzelschicksale, um sie schließlich in "wundersamen" Zufälligkeiten zusammenzuführen. Gott Zufall bzw. das Drehbuch legt die Karten, und letztlich hat jeder mit jedem zu tun. Ein Kleinwarenhändler mit einem Oberstaatsanwalt, zwei Kleinkriminelle mit einem Regisseur, und dies durchwegs in ambivalenten Situationen. Als ein Beispiel unter vielen seien zwei Cops genannt: Der eine ist Rassist, der andere Idealist – und jetzt raten Sie einmal, wer von den beiden jetzt ein Leben rettet! Die Antwort lautet: Beide. Aber... Und das wäre jetzt schon zu viel verraten.

Komplex ist bei solchen Konstruktionen meist die Verbindung zwischen einzelnen Storys, die wiederum jede für sich einen eigenen Film schwerlich tragen würden. So auch in Crash, wenn Verwicklungen das glaubwürdige Maß mitunter beträchtlich überschreiten. Sandra Bullock als Oberschicht-Tussi, die irgendwann ihre mexikanische Haushälterin mit dem Seufzer "Du bist meine einzige Freundin!" in die Arme schließt, das grenzt hart ans Niveau mittelprächtiger Rührstücke.

Paul Haggis sagt angeblich: "Dies ist kein perfekter Film." Dem ist – eingedenk auch der unfassbar lähmenden Filmmusik von Mark Isham – zuzustimmen. Als Symptom einer zutiefst verunsicherten (US-)Gesellschaft, die den Blick nicht abwenden kann von den eigenen Schwindelgefühlen, liefert Crash jedoch Analysematerial in Hülle und Fülle. Diskutieren Sie selbst!
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5.8.2005)

Schon jetzt ist für mich klar:
Das ist der FILM DES JAHRES !!
und gerade den Soundtrack fand ich hervorragend....

anderswo

nennt man das schleichwerbung (zumindest heute, 08/05).
andererseits bin ich schon sehr gespannt auf diesen film.
nicht nur, aber auch, wegen eurem stream.
hmmm...
der rechnungshof hat wichtigeres zu tun...

Beziehung Inspektor zu Anwalt

Wie der Redakteur bereits angeführt hat, sind die Beziehungen teilweise sehr komplex. Wer hat die Szene verstanden, nachdem der Inspektor im Reservereifen Geld gefunden hat?

Mir hat's gefallen

& ich kann den Film nur empfehlen. Angenehm komplexe Handlung mit ambivalenten Charakteren, die nicht in ein gut/boese, weiss/schwarz Schema fallen - die Welt ist halt mal grau.

also

meine ist bunt!

pflichtfilm

für alle amerika-fans und amerika-nicht möger!!
absolute spitzenklasse.
die filmmusik hab ich gar nicht mitgekriegt bei der handlung.

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