Amnesty beruft sich auf Aussagen ehemaliger Gefangener, die 18 Monate in Geheimgefängnisssen verbrachten
London/Lausanne - Die USA halten laut einem Bericht der
Menschenrechtsorganisation
amnesty international (ai) etwa 70.000
Menschen in geheimen Gefängnissen gefangen. Die Gefängnisse befänden
sich außerhalb der USA an unbekannten Orten.
Das Gefangenen-Lager Guantanamo auf Kuba sei nur die Spitze des
Eisbergs, schreibt ai am Mittwoch in einer Aussendung. Die
US-Regierung müsse die Identität aller Gefangenen offen legen, die
Orte der Haftzentren bekannt geben und sie für internationale
Untersuchungen zugänglich machen, fordert ai.
Amnesty fordert Ende der geheimen Inhaftierung
Amnesty will ein Ende der geheimen Inhaftierung, die nicht nur von
den USA praktiziert werde, sondern auch von Ländern wie Indonesien
und Jordanien. In Geheimgefängnissen sei die Gefahr groß, dass
gefoltert werde. Laut internationalem Recht sei es ein Verbrechen,
Menschen von der Erdoberfläche "verschwinden" zu lassen.
Die Organisation beruft sich auf die Aussagen ehemaliger
Gefangener. Sie erwähnt den Fall zweier Jemeniten, die 18 Monate lang
in Isolationshaft in einem Geheimgefängnis unter amerikanischer
Leitung festgehalten worden seien.
Als sie 2003 verhaftet wurden, hätten die beiden Männer in
Indonesien gelebt. Einer sei dort, der Zweite in Jordanien
festgenommen worden. Beide hätten berichtet, sie seien zunächst vier
Tage lang vom jordanischen Geheimdienst gefoltert und danach in ein
unterirdisches Haftzentrum geflogen worden.
Heute sind die beiden Jemeniten in ihrer Heimat in Haft, wo sie
von ai besucht wurden. Laut der Menschenrechtsorganisation haben die
jemenitischen Behörden angegeben, sie hätten keinen Grund die Männer
festzuhalten, außer dass es eine Bedingung gewesen sei für die
Verlegung der Männer. (APA/sda)