Dynastie als Trägerin der wahhabitischen Ideologie
Wien - Das Königreich Saudiarabien, dessen fünfter Herrscher, König Fahd, gestorben ist, entstand 1932 durch den Zusammenschluss der - nach dem Ersten Weltkrieg und dem Zerfall des Osmanischen Reiches unabhängig gewordenen - Fürstenstaaten Nedschd (Hauptstadt Riad) und Hedschas (Hauptstadt Mekka). Die Saud-Dynastie hatte Anfang des vergangenen Jahrhunderts ihr Stammland Nedschd zurückerobern können und 1924/25 die (heute noch in Jordanien regierende) Haschemiten-Dynastie aus Mekka vertrieben.
Ein chronologischer Abriss:
- 1517 - Der Großteil der arabischen Habinsel kommt unter die Oberhoheit der Osmanen.
- Mitte des 18. Jh.: Erhebung der Wahhabiten gegen die Türkenherrschaft. Mohammed Ibn Abdul Wahhab (1703-1792)
gründete eine puritanische Erneuerungsbewegung, welche die
Rückbesinnung auf die islamischen Ursprünge propagierte. Scheich Mohammed Ibn Saud (von dem die saudische Königsfamilie abstammt) verhilft der pietistischen Strömung zum Durchbruch.
- 1818 - Sieg der türkischen Truppen über die Wahhabiten, die weiter Widerstand leisten.
- 1891 - Flucht der Saud-Familie nach Kuwait. (Die dortige Herrscherfamilie steht unter britischem Schutz).
- 1902 - Mit britischen und russischen Waffen erobert Abdul Aziz Ibn Saud von seinem Exil in Kuwait aus das Fürstentum Nedschd mit der Hauptstadt Riad zurück. Die Unabhängigkeit von Nedschd wird nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs von den Briten anerkannt.
- 1924/25 - Ibn Saud erobert das (1916 vom erblichen Großscherif von Mekka ausgerufene) Königreich Hedschas und vertreibt den
haschemitischen König Hussein, Nachkommen des Propheten, aus der heiligen Stadt Mekka. (Husseins Söhne Faisal und Abdullah, die den arabischen Aufstand gegen die Türken angeführt hatten, werden mit britischer Hilfe Herrscher im Irak bzw. in Transjordanien).
- 1932 - Offizielle Vereinigung von Hedschas und Nedschd zum "Vereinigten Königreich Saudiarabien".
- ab 1933 - Entdeckung kommerziell verwertbarer Erdölvorkommen;
Konzessionen für die "Standard Oil of California" (1944 umbenannt in ARAMCO - "Arabian-American Oil Company").
- 1953 - König Abdul Aziz Ibn Saud stirbt. Sein Sohn Saud besteigt den Thron.
- 1958 - Ausschaltung einer nasseristisch beeinflussten Prinzen-Gruppe ("Freie Prinzen"), die gegen die feudalabsolutistischen Verhältnisse eintrat und eine konstitutionelle Monarchie anstrebte. Ihre Mitglieder werden verbannt.
- 1962 - Offizielle Abschaffung der Sklaverei.
- 1964 - Absetzung von König Saud, dem zügellose parasitäre Verschwendung zur Last gelegt wird. Sein Bruder, Kronprinz Faisal, wird König.
- 1975 - Faisal wird von einem Mitglied des Herrscherhauses ermordet. Sein Bruder Kronprinz Khaled besteigt den Thron.
- 1982 - Nach dem Tod von König Khaled folgt ein weiterer Sohn des Reichsgründers, Fahd, auf den Thron.
- 1991 - Golfkrieg gegen den Irak: Die USA stationieren Truppen in Saudiarabien. Politisch, militärisch und wirtschaftlich ist das Königreich der wichtigste Partner der USA in der Golfregion.
- 1992 - Ein erstes Gesetz über die Staatsgewalt schreibt unter anderem fest, dass - unabhängig vom Zeitpunkt der Geburt - "der Fähigste" unter den Nachkommen Ibn Sauds thronfolgeberechtigt ist. Artikel I lautet: "Die Verfassung des Königreichs sind das Buch Allahs des Erhabenen und die Sunna Seines Propheten". Der König ist gleichzeitig Regierungschef.
- 1993 - Schaffung eines "Konsultativrats" aus sechzig vom König
ernannten Mitgliedern. Das Gremium kann Verordnungen der Regierung beeinspruchen, die daraufhin vom König einer nochmaligen Prüfung zu unterziehen sind.
- 1995/96 - Verheerende Anschläge auf eine US-Kaserne in Riad
und einen US-Militärstützpunkt in Dhahran.
- 1996 - Der schwer kranke König Fahd überträgt seinem Halbbruder Kronprinz Abdullah die Regentschaft.
- 2001 - Nach den Terroranschlägen vom 11. September in den USA - 15 der 19 Flugzeugattentäter sind saudiarabische Staatsangehörige - verschlechtern sich die Beziehungen zwischen Washington und Riad. Pentagon-Kreise fordern, das Königreich als "Feind" einzustufen, der den Terrorismus fördere. Der Hass des ausgebürgerten Terrordrahtziehers Osama Bin Laden und seiner Organisation Al Kaida richtet sich aber nicht nur gegen die USA und Israel, sondern auch gegen die saudische Herrscherfamilie, der vorgeworfen wird, Ungläubige (US-Soldaten) nach Saudiarabien geholt und damit die heiligsten islamischen Stätten geschändet zu haben.
- 2003 - Saudiarabien lehnt den US-geführten Feldzug gegen den Irak zum Sturz des Regimes von Saddam Hussein ab.
- 2005 - König Fahd stirbt. Den Thron besteigt sein Halbbruder Abdullah.
(APA)