The Books: "Lost and Safe"

    21. Oktober 2005, 14:06
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    Wenn sich im Halbschlaf die Fragmente der Welt zu einem neuen Panorama zusammensetzen

    Du liegst im Bett und der Schlaf ist nur mehr ein paar Lidschläge entfernt. Aus dem Nebenzimmer dringen Gesprächsfetzen - A culture is no better than its woods, a feeling of being connected with the past - anscheinend ist der wache Teil deiner WG wieder in die nächtlich-philosophische Phase eingetreten. Irgendjemand hat den Fernseher angelassen, der nun Dialoge ohne Zusammenhang abspult - "You may call me brother now." "Yes, brother, I know." - und aus einem der anderen Räume klingt leise ein Banjo.

    Langsam dämmerst du weg - Absolutely still, every eye closed - und für die letzen Atemzüge vor dem Einschlafen setzen sich all die unterschiedlichen Wahrnehmungen zu einem neuen Sinn zusammen. Manches davon wird auch morgen noch gelten, aber das Meiste wirst du vergessen haben.

    "Maestro, as you paint this picture would you tell me what's going on in your mind ..."

    ... seltsam, dass sich bisher niemand um die neue CD der Books gekümmert hat. Das kann zwei Gründe haben: Für die einen mag die hypnotische Klang-Collage zu weit von gängigen musikalischen Hörgewohnheiten entfernt sein. - Und diejenigen, die das 2003 erschienene Vorgängerwerk "The Lemon of Pink" bejubelten, könnten beim neuen Album schreien: Ausverkauf! - Sei's drum, "Lost and Safe" ist auf jeden Fall exzellent.

    Wie eh und je zogen The Books alias Paul de Jong und Nick Zammutto mit dem Mikrophon durch den amerikanischen Osten, um Klangsamples zu sammeln. Im riesigen hauseigenen Ton-Archiv stellten sie diese Stimmen und Geräusche dann neu zusammen, kombinierten sie mit Instrumenten und eigenen Texten und schufen damit etwas Neues: eine akustische Karte der Gegenwart. Stärker als bei den bisherigen Werken der Books treten diesmal Komposition und Songstruktur in den Vordergrund, immer noch lohnt es aber nicht wirklich, einzelne Titel herauszugreifen. Viel eher ist "Lost and Safe" als homogenes Ganzes zu genießen, ein erstaunlich ruhiger Fluss unzähliger Stimmen, zusammengehalten durch ein unaufdringliches Instrumentarium - im Vordergrund zumeist Banjo und Streicher -, das die Sound-Collage mit den Orten ihrer Entstehung verbunden bleiben lässt.

    "I want all of the American people to understand that it is understandable that the American people cannot possibly understand."

    Konsequenterweise wird in der peniblen Wiedergabe der Lyrics im CD-Booklet nicht zwischen eingesampelten und selbstgeschriebenen Textteilen unterschieden: das eine ist so authentisch The Books wie das andere. Spannend zu beobachten, wie weit die beiden sich unter Beibehaltung ihres einzigartigen Stils herkömmlichem Songwriting annähern können.

    ... ratlos geblieben? Gut, dann ist der erste Schritt schon gemacht. And he woke up screaming having dreamed of a color he had never seen before.
    (Josefson)

    • The Books: "Lost and Safe" (Tomlab/Hausmusik 2005)
      coverfoto: tomlab

      The Books: "Lost and Safe"
      (Tomlab/Hausmusik 2005)

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