Nackte Wahrheit in der großen Hitze der Stadt

18. Dezember 2005, 20:43
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Leopold Museum bot freien Eintritt für Unbekleidete

Wien - Die Hitze lastete schwer über Ostösterreich. In Wien, Niederösterreich und teilweise auch in Salzburg erreichten die Temperaturen am Freitag beinahe unerträgliche Höhen jenseits der 34-Grad-Marke - die persönlichen Temperaturwahrnehmungen übertrafen die offiziellen Messungen glatt. Schatten und Wasser, dorthin flüchteten sich die Massen (auch weil die Ozonwerte stiegen) - und etliche mutige Kunstinteressierte kühlten sich im Wiener Museum Leopold ab.

Bei konstanten 21 Grad gibt es dort "Die nackte Wahrheit" zu sehen - am Freitag nicht nur in den Bildern Klimts, Schieles und Kokoschkas. Denn wer sich in Bademode oder gar völlig hüllenlos in die Ausstellung traute, ersparte sich das Eintrittsgeld - eine Möglichkeit, die doch einige in Anspruch nahmen.

Verschreckte Touristen

"In der Zeit Klimts wäre das wohl der absolute Skandal gewesen", glaubt Peter Weinhäupl, kaufmännischer Direktor des Museums. Nicht so heute: Etwas verschreckt sind nur einige Touristen, die sich über so viel bare Haut wundern. Ein japanischer Professor gibt mit gesenktem Blick zum Ausdruck, dass er sich lieber auf die Bilder konzentriere: "Die Bikinis machen mich nervös, das bin ich nicht gewohnt, ich kenne das nur am Strand."

Eine US-amerikanische Mutter würde den Spaß gerne mitmachen, beteuert sie, wolle aber ihrem Sohn im Teenageralter die Peinlichkeit ersparen. In den USA wäre eine solche Aktion undurchführbar, sagt sie: "Allein die Bilder hier würden als Pornographie gelten - und Kokoschka als Pädophiler, wie Michael Jackson." (hsa, DER STANDARD Printausgabe, 30./31.07.2005)

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