Ein Deal wie im "tiefsten Mittelalter"

7. März 2006, 15:15
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Das Stadion Center neben dem Happel-Stadion wird gebaut und empört noch immer die Opposition - mit Kommentar

Wien - "Diese Methoden sind tief mittelalterlich", empört sich der Wiener VP-Gemeinderat und Immobilienexperte Alexander Neuhuber aufs Neue. Die Ursache für seine nachhaltige Adrenalinproduktion: Eine "schleichende Privatisierung" von stadteigenen Grundstücken zu - für die Bauträger - genialen Konditionen. Ohne Ausschreibung.

Es sind 107.000 Quadratmeter an Grundstücken im Umfeld des Ernst-Happel-Stadions auf denen in Summe Bruttogeschoßflächen von 440.000 Quadratmetern errichtet werden sollen. Unter anderem ein Einkaufszentrum mit 21.000 Quadratmetern. Dessen Baubeginn ist für den Herbst angesetzt (DER STANDARD berichtete).

Gegen die Stadtteilentwicklung an sich sei nur teilweise etwas einzuwenden - wie etwa die Größenentwicklung des Shoppingcenters. Aber die Abläufe im Vorfeld wird Neuhuber nicht müde anzuprangern. Die Vergabe verlief derart, dass die Grundstücke erst innerhalb der Stadt transferiert wurden: Zu einer 100-Prozent Tochter der Wiener Holding. Für die Umsetzung der Projekte aber bildet diese Holdingtochter dann Errichtungsgesellschaften - denen dann Unternehmen angehören, die nicht mehr der Kommune gehören. Wie etwa die IG-Immobilien, eine Nationalbanktochter.

Tolle Konditionen

Dafür sind die Konditionen dann allerdings wirklich Zucker: Für die Grundstücke sind rund 32 Millionen Euro zu zahlen - allerdings erst nach Fertigstellung der Projekte. Weiters können dann von den Bauträgern noch ein paar belastende Details abgezogen werden: Abbruchkosten, die Errichtung von Parkplätzen - die dann aber von den Betreibern selbst genutzt werden - und Ähnliches.

"Das heißt, man kommt auf einen Kaufpreis unter 20 Millionen Euro", rechnet Neuhuber. "Und das alles ohne Ausschreibung. Ohne auch nur den Versuch unternommen zu haben, mehr dafür zu bekommen." Der Deal an sich sei "im Graubereich. An sich können sie es tun. Aber wenn man öffentliches Eigentum verkauft, gehört einfach ein ordentliches Bieterverfahren her."

Aufgeplustert

Ebenso ärgerlich sei die schleichende Aufplusterung des Einkaufszentrums: "Noch im November sagte Planungsstadtrat Schicker, es würde nur 8000 Quadratmeter groß - bei den 27.000 Quadratmetern im Vertrag seien die Stellplätze inkludiert." Jetzt werde das Shoppingcenter beim Stadion 21.000 Quadratmeter groß - "und da kann man wirklich nicht mehr von Nahversorgung reden. Das zieht Kaufkraft ab und Verkehr an."

Daher fordert Neuhuber wie auch FP-Gemeinderat Herbert Madejski eine Umweltverträglichkeitsprüfung. (frei, DER STANDARD Printausgabe, 30./31.07.2005)

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