Richard Brooks: "Die Katze auf dem heißen Blechdach"

29. Juli 2005, 20:31
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Paul Newman und Elizabeth Taylor zwischen intellektuellem Method-Acting und glamouröser Präsenz

Eines langen Tages Reise in die Nacht, in einer feudalen Villa, tief im amerikanischen Süden: Aggressionen, Ausbrüche und Attacken bei den einen, Eifersucht, Bitternis und Groll bei den anderen. Es geht um alte Lügen und alltägliche Intrigen, um verlorene Illusionen und viel Geld.

Big Daddy feiert seinen 65. Geburtstag. Alle sind gekommen, aber sein Sohn Brick rebelliert, er hält sich an Whiskey und streitet mit seiner schönen Frau Maggie, die er kaum noch ertragen kann. "Wir leben nicht zusammen, wir bewohnen bloß denselben Käfig." Heikel die Konflikte, hitzig die Atmosphäre. Ein Werk der übergroßen Gefühle und der brillanten Arrangements ist Richard Brooks' Film, spätbürgerliches Trauerspiel und postklassisches Kino-Melodram gleichermaßen.

MGM bot gegen Ende der Studio-Ära noch einmal Einblicke in seine reiche Hexenküche: eine kontrapunktische Inszenierung, grandiose Bilder (vom Garbo-Kameramann William Daniels), die sie visuell ausdeuten. Subtiles Production-Design. Ein theatralisches Sujet mit beispielhafter Dramaturgie und geschliffenen Dialogen (nach Tennessee Williams).

Und exzellente Stars: Paul Newman und Elizabeth Taylor zwischen intellektuellem Method-Acting und glamouröser Präsenz. Filme nach Tennessee Williams waren groß in Mode in den Fünfzigern und Sechzigern. Elia Kazan spürte in Endstation Sehnsucht der Verkrüppelung hinter den Lebenslügen nach. John Huston genoss in Die Nacht des Leguan die seelische Qual als abenteuerliches Spiel zwischen Verlierern. Brooks deckte eher die zerstörerischen Impulse im amerikanischen Helden auf, die Lust an Selbstzweifeln, Lebensekel und Zerfall.

Brooks war ein intellektueller Skeptiker, er untergrub in seinen Filmen alles Selbstverständliche, um die eigenen Wurzeln zu finden.

In Die Katze auf dem heißen Blechdach arbeitet er mit harten Brüchen und gedehnten Rhythmen, bevorzugt Schnitte gegen den bloßen Genuss am Schauen - und kleine Pausen, in die hinein seine provozierenden Bilder nachklingen können. Anders als Williams wählte Brooks ein Happyend, aber das so subversiv wie in der Zeit nur bei Douglas Sirk. Brick, der ewige Rebell, scheint zur Ruhe zu finden, sich zu begnügen mit Ehe und Erbschaft.

Er nickt die Hoffnungen seines Vaters ab, aber gereizt und grimmig. Die aggressive Verzweiflung beherrscht ihn weiter. Sein Ja zur Zukunft bedeutet deshalb nicht resignatives Einverständnis, sondern Abschied vom Krieg gegen Windmühlen. So verloren die Illusionen, so trostlos die Aussicht. (DER STANDARD, Printausgabe, 30./31.07.2005)

Von Norbert Grob
  • "Wir leben nicht zusammen, wir bewohnen bloß denselben Käfig" - Paul Newman und Elizabeth Taylor.
    foto: süddeutsche cinemathek

    "Wir leben nicht zusammen, wir bewohnen bloß denselben Käfig" - Paul Newman und Elizabeth Taylor.

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