US-Stammzellenforschung hofft auf Frist-Lösung

29. Juli 2005, 19:09
2 Postings

Bush hat einen unerwarteten Gegner: den republikanischen Senator Bill Frist - Biomed-Forscher bauen auf ihn

Washington - Bill Frist ist der republikanische Mehrheitsführer im amerikanischen Senat. Er bezeichnet sich als Christ und Pro-Lifer, "und ich glaube, dass das menschliche Leben mit der Zeugung beginnt".

Frist ist aber auch Wissenschafter. Als Arzt und Transplantationschirurg hält er Stammzellenforschung für notwendig, um neue Heilmethoden für Krankheiten wie Diabetes oder Parkinson zu entwickeln. Deswegen hat er nun beschlossen, die Freigabe von Bundesmitteln für diese Forschung zu unterstützen.

Damit bekommt die vom Repräsentantenhaus bereits verabschiedete und von Präsident Bush prompt abgelehnte Gesetzesvorlage im Senat signifikant mehr Gewicht. Zwar hat Frist seine Entscheidung vorsichtig formuliert: Er habe seine Vorbehalte, was die Änderung der bisherigen Politik anbelangt; Stammzellenforschung sei noch in einem sehr frühen Stadium; es gehe lediglich um eine "Modifikation" der Haltung des Weißen Hauses. Doch die Stoßrichtung ist klar, die Befürworter der umstrittenen Forschung fühlen sich bestärkt und rechnen mit einer Freigabe von Stammzellen von Embryonen.

Legislative Schlachten

In der wissenschaftlich und ethisch-politisch geführten Debatte geht es einerseits darum, ob die Folgen der Zellentnahme, nämlich die Zerstörung der menschlichen Embryonen, schwerer wiegt als der medizinische Nutzen, der aus der Forschung an den Zellen resultieren kann. Bush hat vor vier Jahren einen Kompromiss dahingehend verkündet, dass nur Forschung an bis dahin bereits extrahierten Zellkolonien oder -linien vom Bund gefördert würden. Die Wissenschafter rechneten mit 78 solcher Linien, laut New York Times wurden bis heute aber nur 22 für förderungswürdig erachtet.

Bleibt Bush bei seiner ablehnenden Haltung, wird es nach der Sommerpause zu "komplizierten legislativen Schlachten" (Richard Stevenson in der Times) und vielleicht zum ersten präsidentiellen Veto im Senat kommen. Mehrere Republikaner haben Frist bereits Unterstützung zugesagt. Er selbst weist auf Lücken und Probleme der Gesetzesvorlage hin, zum Beispiel, dass es zu finanziellen Lockangeboten von Fruchtbarkeitskliniken an Patienten kommen könne und es keine klaren Richtlinien dafür gebe, wer über das Schicksal von Embryonen entscheidet.

In der Sache aber hat Frist eine klare forschungspolitische Entscheidung getroffen. Sie wird ihn Sympathien der christlichen Rechten kosten und ihm welche von der liberalen Mitte bringen. Das wiederum ist nicht unwichtig, gilt er doch als einer der Kandidaten für die Präsidentschaftswahlen 2008. (mf/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30./31. 7. 2005)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Bush vs Frist

Share if you care.