Schimpfende "Vogelfreunde"

31. Juli 2005, 20:41
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Rauch-Kallat gegen Singvogelschau – Traditionalisten zürnen

Linz/Wien – Der bunten oberösterreichischen Singvögel wegen hat sich Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat (ÖVP) neue Feinde gemacht. Die Ministerin habe sich „militanten Tierschützern“, ja dem „Mob der Straße“ gebeugt, schimpfte Alfred Ritzinger, Obmann des „Verbandes der Vogelfreunde im Salzkammergut“, am Freitag.

Tags zuvor hatte Rauch-Kallat einer vom Land Oberösterreich geforderten Ausnahmeregelung, die das traditionelle Ausstellen von Gimpeln, Zeisigen, Stieglitzen und Fichtenkreuzschnäbeln im Salzkammergut weiter zugelassen hätte, eine Absage erteilt. In dem vergangenen Freitag beendeten Begutachtungsverfahren für die tierrechtliche Extrawurst – die in Widerspruch zum Tierschutzgesetz stehen würde – habe es überwiegend negative Stellungnahmen gegeben, erläuterte sie.

Enttäuschter Pühringer

Sehr zum Missfallen von Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer, der lokalpatriotische Töne anstimmte. Eine Entscheidung aus Wien werde dem Salzkammergut „keinen 400 Jahre alten Brauch nehmen“, sagte er.

Das Nein zu den Bestrebungen vogelfangender Vogelfreunde hat der Ministerin aber auch neue Sympathien unter Vogelschützern eingebracht. Wegen der oberösterreichischen Vogelfängertradition seien die Tiere bisher „enormem Stress ausgesetzt“ gewesen, befürwortete etwa Andreas Sax von der Tierschutzorganisation Vier Pfoten die Entscheidung.

Erleichtert zeigte sich auch Martin Balluch vom Verein gegen Tierfabriken – wenn auch mit mit gemischten Gefühlen, nachdem Rauch-Kallat seine Gruppe vergangene Woche wegen eines deftig und persönlich formulierten Anti- Vogelfang-Flugblatts auf Unterlassung und Widerruf geklagt hat. Die oberösterreichische Grüne Doris Eisenriegler forderte dagegen, neben dem Ausstellen von Vögeln auch deren Fang zu verbieten. Dieser ist laut oberösterreichischen Landesgesetz weiterhin erlaubt. (bri, DER STANDARD Printausgabe, 30.07./31.07.2005)

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