Der Schlauch im Helm ist ein Schelm

31. Juli 2005, 17:15
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Am Hungaroring wird es heiß hergehen. Die Herren Rennfahrer schwitzen in ihren Cockpits bei 60 Grad, da tut trinken not

Budapest - Dehydrierung ist eine gefährliche Sache. Bei Flüssigkeitsmangel lässt die körperliche Leistungsfähigkeit extrem nach, und mit ihr schwindet die Konzentrationsfähigkeit, was übel ist, wenn einer jeden Augenblick eminent wichtige Entscheidungen zu treffen hat wie ein Formel-1-Fahrer.

Optimale Wirkung der Klimaanlage nur bei geschlossenen Fenstern. Millionen auf Europas Transitstraßen werden an diesem Wochenende den Ratschlag beherzigen, die Millionäre in ihren teuren, fenster- und türenlosen Kisten haben zwar eine Menge Knopferln zum Spielen, aber kein Aggregat zum Kühlen.

Von großer Bedeutung bei Bedingungen, wie sie am Hungaroring herrschen, ist die Trinkflasche im Cockpit. Ein in den Helm verlegter Schlauch verbindet diese mit dem stets durstigen Chauffeur, der seine Hände bestenfalls zum Siegesjubel oder zum Ausführen von Drohgesten gegen andere Verkehrsteilnehmer vom Lenker zu nehmen pflegt. In der Flasche befindet sich meist ein speziell gemixtes Elektrolytgetränk.

Schlauchverlust

Die Konstruktion sorgt immer wieder für Probleme, weil große Fliehkräfte herrschen im Cockpit, beim Beschleunigen, in Kurven und vor allem beim Bremsen. So rutschte Christian Klien zuletzt in Hockenheim kurz nach dem Start der Schlauch aus dem Helm und war nicht mehr zu erwischen. Der Red-Bull-Pilot aus Vorarlberg musste dürsten, aber in Hockenheim herrschten vergleichsweise moderate Temperaturen.

Beim Tropen-Grand-Prix von Malaysia in Sepang widerfuhr dieses Ungemach dem Deutschen Nick Heidfeld (BMW-Williams) und dem Weltmeister in spe, dem Spanier Fernando Alonso. Der Renault-Pilot siegte trotzdem, um bei der Ehrung, dehydriert und also ermattet, fast vom Stockerl zu fallen. "Wenn du nachher aus dem Auto aussteigst, rasselt der Blutdruck in den Keller. Da hat man Gummibeine und fühlt sich sehr schwach." Gestern feierte Alonso Geburtstag. Und wurde zwischen den freien Trainings mit einer mit 24 Kerzen bestückten Torte überrascht.

Hitzestau

Die Piloten haben mit bis zu zweieinhalb Kilogramm Gewichtsverlust im Rennen zu rechnen. Weshalb es ratsam ist, sich vor der Arbeit einen Vorrat anzuschaffen, denn auf den Schlauch ist, wie die Geschichte lehrt, kein Verlass. Möglichst bis zu vier Liter mehr als bei einem GP mit angenehmen Temperaturen sollen die Piloten am Renntag im optimalen Fall vor dem Start zu sich genommen haben. Serienchampion Michael Schumacher: "Diese Hitze ist schon unangenehm. Wenn man dann im Auto ans Limit geht, stößt man an seine körperlichen Grenzen."

Auch Autos und Reifen werden auf der noch dazu besonders kurvenreichen (14 Stück, nur eine Mini-Start-Zielgerade) Strecke in Budapest extrem belastet. Solche Temperaturen treiben die Motoren an die Belastungsgrenze. Im Talkessel der Strecke gibt es einen regelrechten Hitzestau", berichtet BWM-Sportdirektor Mario Theissen. (bez, sid - DER STANDARD PRINTAUSGABE 30./31.7. 2005)

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