Baumpflanzung könnte Wüstenbildung sogar vorantreiben

30. Juli 2005, 19:00
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Britische Studie zeichnet komplexes Bild des Verhältnisses zwischen Aufforstung und Wasserhaushalt einer Region

London - Das Pflanzen von Bäumen kann Wüsten erschaffen, den Wasserspiegel senken und Flüsse entwässern. Zu diesem Ergebnis ist eine Studie der britischen Regierung gekommen. "Verbreitete aber fehlgeleitete Sichtweisen über das Wassermanagement führen weltweit zur Verschwendung von mehreren Zehnmillionen Pfund jährlich. Wälder, die mit der Absicht gepflanzt wurden Feuchtigkeit zu binden, leeren die Wasserreservoirs und trocknen die Erde aus." Zusammengefasst werden Studien, die innerhalb der letzten vier Jahre vom Forestry Research Programme in Auftrag gegeben wurden. Die Finanzierung erfolgte durch das Department for International Development.

In manchen Regionen funktioniere die bisher praktizierte Patentlösung für die Umwelt. Bäume binden Feuchtigkeit aus der Luft und binden das Erdreich. Dadurch werden Flutkatastrophen verhindert, Wasser gespeichert und die Umwelt erhalten. Die möglichen negativen Auswirkungen kommen laut dem leitenden Wissenschafter John Palmer vom Natural Resources Institute vor allem dann zum Tragen, wenn Bäume extra zum Schutz der Wasserversorgung gepflanzt werden. Vielfach würden durch derartige Projekte in den Entwicklungsländern große Geldmengen verschwendet. Panama fordert derzeit laut "New Scientist" von der Weltbank Hunderte Millionen Dollar für das Anpflanzen von Bäumen. Sie sollen der Sicherung der Reservoirs dienen, die den Panamakanal speisen. Palmer argumentiert, dass es dafür keine wissenschaftliche Grundlage gebe.

Robert Stallard vom Smithsonian Tropical Research Institute befürwortet die Aufforstung des Wassereinzugsgebietes des Kanals. Bepflanzte Einzugsgebiete lieferten möglicherweise weniger Wasser, dafür sei aber eine größere Beständigkeit gewährleistet. Die Studien ergaben, dass in den indischen Bundesstaaten Himachal Pradesh und Madhya Pradesh die Umwandlung von Felder in Wälder zu einer Verringerung des gewonnenen Wassers um 16 respektive 26 Prozent geführt hat. In Südafrika hat die Ausbreitung der zuvor nicht vorkommenden Kiefern und Eukalyptusbäume zu einer Verringerung der Strömung der Flüsse um drei Prozent geführt. Derzeit beschäftigt die Regierung 40.000 Menschen zur Entfernung zahlreicher ausländischer Bäume. Plantagenbesitzer müssen in der Folge für die angerichteten hydrologischen Schaden Steuern bezahlen. In den Bergen von Costa Rica zeigte sich laut Sampurno Bruijnzeel von der Free University of Amsterdam, dass das Schlägern von Bäumen die Regenmenge vielfach nicht veränderte. (pte)

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