Japan plant Sieben-Kilometer-Bohrung

31. Juli 2005, 11:00
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Mission des Forschungsschiffs "Chikyu" soll der Suche nach den Ursprüngen des Lebens und dem besseren Verständnis von Erdbeben dienen

Tokio - Japanische Forscher wollen nun mit Hilfe eines Spezialbohrers bis auf sieben Kilometer unter die Erdoberfläche vordringen, um auf diese Weise neue Erkenntnisse über den Ursprung allen Lebens und die Ursachen von Erdbeben zu erlangen. Zum Vergleich: Bohrungen im Rahmen des European Project for Ice Coring in Antarctica (EPICA) haben bisher eine maximale Tiefe von 3.260 Metern erreicht.

Forschungsschiff "Chikyu"

Das fast 58.000 Tonnen schwere Forschungsschiff "Chikyu" (japanisch für "Erde") soll in diesen Tagen fertig gestellt werden. Nach einer Trainingsphase wollen die Forscher im Lauf des Jahres mit Bohrungen am Meeresgrund beginnen. Umgerechnet rund 445 Millionen Euro hat das Projekt des japanischen Zentrums für die Erforschung der Tiefen der Erde (CDEX) gekostet, das auch von der Regierung in Tokio finanziell unterstützt wurde. Die Unternehmung ist Teil des Internationalen Tiefseebohrprogramms, an dem neben Japan und den USA auch China und zwölf europäische Staaten beteiligt sind.

"Im Erdinnern herrschen hoher Druck, hohe Temperaturen, und es gibt kaum Sauerstoff. Ähnliche Bedingungen könnten bei der Entstehung der Erde geherrscht haben", sagt Geowissenschafter Jun Fukotomi. Durch das Sammeln von Gesteinsproben tief im Erdinnern hoffen die Forscher auf Organismen zu stoßen, die bereits bei der Entstehung der Erde existierten. "Wir können mit Hilfe dieser Mikroben zu einem besseren Verständnis der Evolution und der Ursprünge des Lebens kommen", hofft der CDEX-Mitarbeiter. Mit dem Projekt beginne "eine neue Ära in den Lebenswissenschaften", ist der Forscher überzeugt.

Aufschluss über die Plattentektonik

Im großen Maßstab sollen die Bohrungen vor der japanischen Küste im September 2007 beginnen. Zunächst soll 2.500 Meter unter dem Meeresspiegel eine Probebohrung vorgenommen werden, die bis auf 3.500 Meter ins Erdinnere führt. Von diesem ersten Projekt erhoffen sich die Forscher vor allem Aufschluss über die Plattentektonik. In der Region um Japan stoßen vier Kontinentalplatten aufeinander, hier werden rund 20 Prozent der starken Erdbeben weltweit gemessen. Eine genauere Kenntnis der Interaktion zwischen den Platten könnte es den Forschern erleichtern, Beben künftig besser vorherzusagen. Von der Erforschung der Gesteinsschichten des Erdmantels erhoffen sie sich zudem Hinweise auf die frühere und künftige Entwicklung des globalen Klimas.

In einem weiteren Schritt wollen die Forscher bei einer Wassertiefe von 4.000 Meter bis auf 7.000 Meter ins Erdinnere vordringen. Das Bohren auf dem Meeresgrund ist laut Fukotomi leichter als auf dem Festland, weil unter dem Meer die Erdkruste dünner ist als an Land. Dieser Vorteil ermöglicht den Wissenschaftern zufolge tiefere Bohrungen.

Eine Besatzung von 100 Mann und 50 Wissenschaftern soll auf der "Chikyu" Platz finden, deren Bohrturm 112 Meter über die Wasserlinie herausragt. Die verwendeten Bohrtechniken ähneln im Prinzip denen bei Ölbohrungen. Das Bohrsystem ist zudem mit einem speziellen Explosionsschutz ausgestattet, sollte der Bohrer in der Tiefe auf Öl- oder Gasvorräte stoßen. Das mit einem GPS-Ortungssystem ausgestattete Schiff verfügt zusätzlich über Stabilisierungsvorkehrungen, um den Wellengang auf hoher See auszugleichen. (APA)

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Chikyu
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