Streit um winzige Insel wird auch über Google ausgetragen

3. Oktober 2005, 12:44
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Kanada und Dänemark beanspruchen das Eiland in der Arktis

Ein diplomatischer Streit zwischen Kanada und Dänemark über eine winzige Felsinsel in der Arktis wird jetzt auch im Internet ausgetragen. Aktueller Auslöser des Streits war ein Besuch des kanadischen Verteidigungsministers Bill Graham auf der Hans-Insel in der vergangenen Woche, gegen den Dänemark am Montag Protest ankündigte. Graham erklärte, Kanada habe das unbewohnte Eiland rund 1.100 Kilometer südlich des Nordpols schon immer besessen. Dänemark antwortete: "Die Hans-Insel ist unsere Insel."

"Klingt Hans kanadisch? Dänischer Name, dänische Insel."

Ein interessierter Bewohner von Toronto, Rick Broadhead, wollte sich bei der Internet-Suchmaschine Google über die Angelegenheit informieren und fand dort eine Anzeige, die die Insel als rein dänisch anpries. "Klingt Hans kanadisch? Dänischer Name, dänische Insel." Wer auf die Anzeige klickte, wurde auf die Web-Site des dänischen Außenministeriums weitergeleitet.

"Ich fand, dass die kanadische Regierung eine Gelegenheit versäumt hat, indem sie nicht das Internet dazu benutzt hat, ihre Meinung kundzutun"

Das ärgerte Broadhead, und so schaltete er selbst eine Anzeige bei Google und erstellte eine eigene Web-Site, um die Souveränität Ottawas über die Insel zu bekunden. Seine Anzeige führt zu einer Seite mit wehender kanadischer Ahornblatt-Flagge, unterlegt mit den Klängen der Nationalhymne. "Ich fand, dass die kanadische Regierung eine Gelegenheit versäumt hat, indem sie nicht das Internet dazu benutzt hat, ihre Meinung kundzutun", sagte der 35-jährige Literaturagent. "Ich dachte: Die gewinnen den Online-Krieg. Dänemark - Kanada, eins zu null. Ich wollte den Stand ausgleichen."

Gespräche

Der dänische Botschafter in Ottawa, Poul Erik Dam Kristensen, sagte am Donnerstag, beide Länder müssten ihre Gespräche über die 1,3 Quadratkilometer große Insel wieder aufnehmen. Er betonte, die Google-Anzeige sei nicht im Auftrag der dänischen Regierung geschaltet worden. Bei der Angelegenheit handele es sich lediglich um eine kleine Irritation, die vernachlässigt werden könne. Broadhead erklärte jedoch, es gehe nicht darum, was auf der Insel zu sehen sei, sondern darum, was nicht zu sehen sei. "Unter diesem Felsbrocken könnte Öl sein; es könnten andere Ressourcen oder Mineralien unter diesem Felsen sein."

"Willkommen auf der dänischen Insel."

Broadheads Web-Seite hebt das traditionelle kanadische Argument hervor, dass die Insel früher den Briten gehörte und 1867 an Kanada überging. Die Dänen sagen, die Hans-Insel liege näher an Grönland als an Kanada und sei daher dänisches Territorium. 1973 hatten sich beide Staaten grundsätzlich über die Grenzziehung in der Arktis geeinigt, die Klärung der Streitfrage über einige Inseln aber auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. 1984 sorgte der damalige dänische Grönland-Minister Tom Höyem für Aufsehen, als er eine dänische Flagge auf der Insel hisste, eine Flasche Brandy am Fahnenmast vergrub und eine Notiz hinterließ: "Willkommen auf der dänischen Insel." (Von Beth Duff-Brown/AP)

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