Mond, Mars und weiter - oder retour?

28. Juli 2005, 18:59
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Die Kritik an der NASA wächst - die europäischen Kooperationspartner sind verunsichert

Ist das Fährenprogramm der amerikanischen Luft- und Raumfahrtbehörde ein unabdingbarer Teil der wissenschaftlichen Forschung, die uns an die Anfänge und in die Weiten des Universums ebenso wie eines Tages zum Genuss konsumentengerechter "Abfallprodukte" führen soll? Oder ist es ein Ausdruck des Marketing-Genies ebendieser Behörde, die es schafft, auch nach zwei Flugkatastrophen noch "viele Milliarden in ein großes Nichts zu saugen"?

Sie ist nicht immer so hart formuliert wie in der Londoner Times, doch die Kritik an der Nasa wächst. Die ursprünglichen, vor einem Vierteljahrhundert formulierten Ziele des gegenwärtigen US-Raumfahrtprogramms sind in den Hintergrund getreten gegenüber der Frage, ob die drei noch intakten von den fünf Spaceshuttles überhaupt erfolgreich fliegen können - eine für die Nasa-Partner beschämende Ungewissheit angesichts der klaglos funktionierenden russischen Soyuz-Raketen.

Doch auch wenn diesmal alles gut geht, stehen die Zeichen schlecht. Denn die ursprünglichen Forschungsziele wurden teils verwässert, teils verfehlt und schließlich geändert. Vor allem angesichts der unfertigen Internationalen Raumstation ISS sind die europäischen, kanadischen und japanischen Kooperationspartner verunsichert. 28 Flüge bräuchte es in den nächsten fünf Jahren, um die ISS zu vollenden. Davon ist nun keine Rede mehr, und nach dem gegenwärtigen Stand der Technik können bei großen Lasten weder die bewährten russischen und schon gar nicht die von anderen geplanten Trägerraketen den Ausfall der Nasa-Shuttles ersetzen.

Haltestelle im All

Am Anfang des Raumfährenprogramms stand das Versprechen, mit Weltraumforschung und -technik die (Satelliten-)Kommunikationstechnik zu verbessern und die bemannte Raumfahrt zu beschleunigen. Das erste Ziel wurde auch ohne Shuttles erreicht, das zweite war zwischendurch aus dem Visier der US-Planer geraten - teils deshalb, weil die Luftwaffe ganz andere Prioritäten als den Bau der ISS vorsah.

Sie wurde dennoch in Angriff genommen, als Plattform für Forschungsvorhaben in Biologie, Medizin, Materialkunde und Erdklima - neben astrophysikalischer Grundlagenforschung - positioniert und den Steuerzahlern entsprechend verkauft.

Im letzten Jahr allerdings griff Bush das Thema der bemannten Raumfahrt auf und verordnete der Nasa neue Prioritäten. In 15 Jahren sollen Amerikaner wieder auf dem Mond sein, danach soll es zum Mars gehen. Der ISS käme dabei die Rolle einer interplanetaren Haltestelle zu. Das freut die Partner der USA wenig, die schon unter der Verzögerung nach dem "Columbia"-Desaster 2003 leiden. Nun soll der Fokus der ISS geändert werden. Ein Klimaforschungsprogramm wurde bereits gestrichen, den "Voyager"-Missionen droht dasselbe. Stattdessen soll die ISS "zu einer Art Schwerelosigkeitsturnhalle für US-Astronauten werden", wie der Observer es ausdrückt.

Mehr Geld bekommt die Nasa für die Mars-Attacke nicht. Weiters dürften die Himmelspläne des auf Erden immer unglücklicher agierenden Präsidenten auch auf andere Schwierigkeiten stoßen. Forscher, aber auch Politiker wie der US-Senator Kay Hutchison weisen darauf hin, dass für die größten Fortschritte im All keine Menschen gebraucht wurden. Sondern Roboter. (DER STANDARD, Print, 29.7.2005)

Von Michael Freund
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    Die "Discovery" beim Wendemanöver nahe der ISS zur Dokumentation der Schäden am Space Shuttle - wie geht's nun weiter mit dem Raumfahrtprogramm der USA?

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