Reaktionen: Ahern hofft auf "neue Ära", Blair begrüßt IRA-Erklärung

31. Juli 2005, 20:49
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"Wenn Handlungen folgen, wird dies eine historische Entwicklung sein" - Blair erfreut - Sinn Fein: "Niemand soll mehr durch den Konflikt sterben" - USA: IRA muss jetzt Bekenntnis zur Rechtsstaatlichkeit demonstrieren

Dublin/London/Washington - Der irische Premierminister Bertie Ahern hat die Erklärung der Irisch-Republikanischen Armee (IRA) über das Ende des bewaffneten Kampfes begrüßt. "Die heutigen Entwicklungen können für alle Menschen auf der irischen Insel eine neue Ära herbeiführen", erklärte Ahern am Donnerstag in Dublin. "Wenn den Worten der IRA überprüfbare Handlungen folgen, wird dies eine historische Entwicklung sein", fügte der irische Regierungschef hinzu. Großbritannien und Irland hätten seit 1994 zusammengearbeitet, um dieses Ziel zu erreichen.

Blair begrüßt IRA-Erklärung

Der britische Premierminister Tony Blair hat am Donnerstag die Gewaltverzichts-Erklärung der irischen Untergrundorganisation IRA begrüßt.

Die Ankündigung der IRA, ihren bewaffneten Kampf zu beenden, sei ein Schritt unvergleichlichen Ausmaßes, sagte Blair in seinem Büro in der Londoner Downing Street. Dies könnte der Tag sein, an dem Frieden den Krieg und Politik den Terror in der britischen Provinz Nordirland ablöse. "Ich begrüße die Erklärung der IRA, die ihre Kampagne beendet. Ich begrüße ihre Klarheit, ich begrüße die Anerkennung, dass der einzige Weg zum politischen Wandel ausschließlich in friedlichen und politischen Maßnahmen liegt", betonte Blair. Nun müsse sich die IRA so schnell wie möglich entwaffnen.

Nordirlands größte protestantische Partei DUP zeigte sich hingegen skeptisch: Die Stellungnahme der IRA reiche nicht aus, um den katholischen Rebellen zu glauben. "Die Geschichte der vergangenen Jahrzehnte Nordirlands ist voll von IRA-Erklärungen, die als 'historisch', 'bahnbrechend' and 'erschütternd' bezeichnet wurden", erklärte die Demokratische Unionistenpartei. Zudem habe die Untergrundorganisation es nicht einmal in ihrer Erklärung geschafft, ein Ende der von ihr ausgehenden Kriminalität zu verkünden und die Transparenz zu schaffen, die nötig sei, um ihren Ankündigungen zu glauben.

Sinn Fein: "Niemand soll mehr durch den Konflikt sterben"

Der Parteivorsitzende der irisch-katholischen Sinn Fein, Gerry Adams, hat die Menschen in Nordirland aufgefordert, den angekündigten Gewaltverzicht der katholischen Untergrundorganisation Irisch-Republikanische Armee (IRA) zu unterstützen. "Lassen Sie uns alles tun, was wir können, damit niemand mehr durch den Konflikt in unserem Land sterben muss", sagte Adams bei einer Pressekonferenz in der irischen Hauptstadt Dublin am Donnerstag. Die vorausgegangene Erklärung der IRA sei "ein deutliches Bekenntnis zum Friedensprozess". Sinn Fein ist der politische Arm der IRA.

Der künftige Fahrplan sei klar, sagte Adams weiter. "Wir wollen ein Ende der britischen Herrschaft in unserem Land sehen, und wir wollen, dass die Teilung (der Insel) der Geschichte angehört." Die protestantische DUP könne nun entscheiden, ob sie die Vergangenheit hinter sich lassen und mit dem Rest der irischen Bevölkerung Frieden schließen wolle. "Wir sind jetzt alle in einem neuen Zeitalter des Kampfes, und dabei gibt es für jeden eine Rolle", betonte Adams. Es hänge vom einfachen Bürger ebenso wie den Politikern ab, ob am Ende ein Erfolg stehen werde.

"Ich möchte die Bürger auf der ganzen Insel und darüber hinaus aufrufen, Teil dieser neuen Regelung zu werden. Lassen Sie uns alle zusammenkommen", sagte Adams. Niemand habe alle Antworten parat, deshalb sollten alle zusammenrücken, um den Friedensprozess wieder in Gang zu bringen und für "die irische Einheit und Unabhängigkeit" zu sorgen. Die IRA hatte zuvor nach mehr als drei Jahrzehnten dem bewaffneten Kampf abgeschworen.

Weißes Haus: IRA muss jetzt Bekenntnis zur Rechtsstaatlichkeit demonstrieren

Die US-Regierung hat die Erklärung der nordirischen Terrororganisation IRA, den bewaffneten Kampf einzustellen, als wichtigen und möglicherweise historischen Schritt bezeichnet. Die IRA müsse jetzt durch praktische Schritte demonstrieren, dass sie sich eindeutig der Rechtsstaatlichkeit verpflichtet fühle und auf alle paramilitärischen und kriminellen Aktivitäten verzichte, heißt es in einer am Donnerstag in Washington verbreiteten Erklärung vom Sprecher des Weißen Hauses, Scott McClellan.

Die US-Regierung verstehe, dass viele Opfer und deren Familien skeptisch seien. Die Vereinigten Staten würden weiter standhaft den Friedensprozess unterstützen, hieß es in der Erklärung weiter. (APA/dpa/Reuters)

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