Studie: Menschenschmuggel als "Dienstleistung"

28. Juli 2005, 14:41
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Migrationswillige oftmals gut über Organisationen informiert - Differenzierung vom Menschenhandel

Wien - Mehr einer transnationalen Dienstleistungsbranche als Mafia-ähnlichen, kriminellen Strukturen ähnelt laut einer Studie des International Centre for Migration Policy Development (ICMPD) in Wien das Menschenschlepperwesen. In Zusammenarbeit mit mehreren europäischen Ländern und mit Unterstützung des Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) wurde die Situation sowohl seitens der Schmuggler als auch der Migranten durchleuchtet.

Auch wenn in Medien meist alles in einen Topf geschmissen wird, ist Menschenschmuggel nicht mit Menschenhandel, Drogen- oder Waffenschmuggel gleichzusetzen, so die Studienautoren. Als Dienstleister müssten sich die Schlepperorganisationen in den einzelnen Ländern so etwas wie Reputation aufbauen, um längerfristig Zulauf zu haben. Innerhalb der Organisationen orten die Wissenschafter ein hohes Maß an Arbeitsteilung und hierarchischer Differenzierung. Dabei seien die einzelnen Hierarchie-Ebenen strikt von einander abgeschottet, besonders riskante Teile der Operationen würden vielfach von Außenseitern durchgeführt.

Die Kunden der Organisationen, also die Migrationswilligen, erwiesen sich im Zuge der Arbeit als vielfach gut informiert. So werden vorab durchaus aktiv Informationen über Preise und die zu erwartete Qualität der Leistungen der einzelnen Organisationen eingeholt. "Das oft gezeichnete Bild von geschmuggelten Migranten als vollständig fremdbestimmt und alleine von den Schmugglern abhängig, muss damit zumindeste teilweise revidiert werden", folgern die Wissenschafter. (APA)

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