Studie: Moderne HIV-Therapie mit Langzeitwirkung

29. Juli 2005, 11:19
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Zu 86 Prozent werden Fortschreiten der Immunschwächekrankheit und Todesfälle verhindert

Boston/Basel - Die moderne HIV-Therapie mit einer Kombination von Medikamenten zur Blockierung der Reverse Transkriptase- und Protease-Enzyme der Aids-Erreger verhindert langfristig zu 86 Prozent das Fortschreiten der Immunschwächekrankheit und Todesfälle durch die Infektion. Dies geht aus einer britisch-schweizerischen Studie hervor, die in der neuesten Ausgabe der britischen Medizin-Fachzeitschrift "The Lancet" veröffentlicht wird (30. Juli).

Die bisherigen Therapiestudien in Sachen Aids zielten zumeist nur auf die Wirksamkeit innerhalb eines Jahres ab. Doch jetzt belegten Jonathan A. Sterne (Universität von Bristol) und Basler Fachleute den Effekt über einen Zeitraum von fast zehn Jahren hinweg.

Studiendesign

Sie analysierten die Wirkung der hoch aktiven antiretroviralen Aids-Therapie (HAART) bei mehr als 3.200 Schweizer HIV-Patienten. Ab 1996 war in dem Land die damals neue Kombinationstherapie vorhanden. Sie besteht zumeist aus einem HIV-Protease-Hemmer und zwei HIV-Polymerase-Blockern. In der Studie wurde der Verlauf der Infektion ab 1996 bei Nicht-Behandelten, Benutzern nur einer Therapie aus zwei Medikamenten und der Patienten mit HAART verglichen.

Die Wissenschafter: "Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass HAART die Häufigkeit des Fortschreitens der Infektion in Richtung Aids und die Häufigkeit von Todesfällen um 86 Prozent reduziert. Dieser Effekt wird mit der Dauer der Behandlung immer stärker." Dies sollte auch bei der Abschätzung der Bedeutung der Nebenwirkungen der Medikamente in Betracht gezogen werden.

Zugang zur Therapie

Doch die moderne und langfristig hoch wirksame Aids-Therapie gibt es weltweit nur für einen Teil der Betroffenen in den westlichen Industriestaaten. Die Aids-Patienten in den Entwicklungsländern haben weiterhin praktisch keine Chance, weil für sie die Therapie schlicht und einfach unfinanzierbar ist.

Sterne: "Die riesigen Vorteile, die man durch HAART in den entwickelten Ländern erzielen kann, sollten uns auch daran erinnern, dass es dringend notwendig ist, die Behandlung auch für die Millionen Menschen sicherzustellen, die davon profitieren könnten, speziell die Betroffenen im südlichen Afrika." (APA)

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