Spanien: Geschlechter-Gleichstellung im Adelsrecht

28. Juli 2005, 13:53
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Nach 800 Jahren wird Regelung, wonach bei der Vererbung von Adelstitel männliche Nachkommen Vorrang haben, abgeschafft

Madrid - Nach fast acht Jahrhunderten soll in die spanischen Adelshäuser die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau Einzug halten. Die mittelalterliche Regelung, wonach bei der Vererbung der Adelstitel die männlichen Nachkommen Vorrang haben, soll abgeschafft werden. Dies sieht eine Gesetzesvorlage vor, den die regierenden Sozialisten (PSOE) und die Opposition der konservativen Volkspartei (PP) nach Presseberichten vom Donnerstag gemeinsam im Madrider Parlament eingebracht haben.

Gescheiterte Klagen

Im 13. Jahrhundert hatte König Alfons X., der Weise, von Kastilien (1252-84) in seinen Gesetzeserlässen festgeschrieben, dass die erstgeborenen männlichen Nachkommen die Adelstitel des Vaters erben sollten. Diese Regelung gilt im Prinzip bis heute. In den vergangenen Jahren hatten mehrere Frauen aus der Aristokratie vergeblich gegen die Bevorzugung der Männer geklagt. Der Verfassungsgerichtshof verfügte 1997, dass man nicht von einer Diskriminierung sprechen könne. Adelstitel hätten nur einen "symbolischen" Wert. Auch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte ließ die spanischen Aristokratinnen abblitzen.

Thronrechte unangetastet

Die jetzt geplante Reform soll nur für Adelstitel gelten und nicht für die Thronrechte des Königshauses. In der spanischen Thronfolge haben die Männer ebenfalls Vorrang vor den Frauen. Für eine Änderung der Thronfolgerechte ist jedoch eine komplizierte Reform der Verfassung erforderlich.

Historisches

In Spanien war der Adel durch die republikanische Verfassung von 1931 aufgehoben, aber nach dem Bürgerkrieg unter dem Regime von General Francisco Franco 1948 wiedereingeführt worden. Der spanische Adel besteht aus dem Hochadel (den "Granden") - Adelsklassen: Principe, Duque, Marqués, Conde, Vizconde und Baron (Fürst, Herzog, Marquis/Markgraf, Graf, Vizegraf, Baron) - und dem niederen Adel mit den Titeln Hidalgo, Caballero und Escudero (die Kleinadeligen werden Hidalgos genannt). Seit seiner Thronbesteigung 1975 hat König Juan Carlos I. zahlreiche Nobilitierungen vorgenommen. Seine bürgerlichen Schwiegersöhne erhob er in den Herzogsstand, ebenso den ehemaligen Premier Adolfo Suarez. Dem surrealistischen Künstler Salvador Dalí verlieh er den Marquis-Titel. Die Abschaffung der nach der männlichen Erstgeburt vererbten Majorate 1855 bedeutete für viele Granden-Familien den wirtschaftlichen Ruin. (APA)

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