Österreichische Mediziner raten zur Pneumokokken- Impfung

28. Juli 2005, 13:34
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Gesellschaft für Infektionskrankheiten: Erreger werden zunehmend resistent gegen Antibiotika

Wien - Die Österreichische Gesellschaft für Infektionskrankheiten (ÖGI) rät dringend zur Durchführung von Impfungen gegen Pneumokokken bei Kindern bis zwei Jahren, da die Infektionserreger zunehmend resistent gegen Antibiotika werden. In Österreich habe es, so der jetzt vorliegende aktuelle Resistenzbericht, sowohl gegenüber Penicilin als auch gegenüber Makroliden eine Verdoppelung der Resistenz gegeben (von fünf auf zehn bzw. von 15 auf 30 Prozent). Das wurde auf einer Pressekonferenz am Donnerstag in Wien bekannt gegeben.

Pneumokokken sind die weltweit bedeutendsten bakteriellen Infektionserreger beim Menschen und verursachen u.a. Lungententzündung, Bronchitis, Hirnhaut- oder Mittelohrentzündung. Am größten ist das Risiko einer Infektion bei Kleinkindern. Nur der Impfstoff - vier Teil-Impfungen sind für praktisch lebenslangen Schutz nötig - biete ausreichenden Schutz. Das sagte Dr. Ursula Hollenstein, Fachärztin für Innere Medizin und Mitglied der ÖGI.

US-Zahlen

Die Zahlen sprechen für sich: Eine amerikanische Studie hat gezeigt, dass der Anteil invasiver Pneumokokken-Erkrankungen nach Einführung der so genannten Konjugat-Impfung in den USA bei Kleinkindern von 30 pro 100.000 Personen auf 13,2 pro 100.000 gefallen ist. Eine massive Reduktion, nämlich 82 Prozent, gab es bei den Kindern unter zwei Jahren. Zudem hatte diese Maßnahme auch günstige Nebenwirkungen auf die zweite Risikogruppe, auf Menschen über 65 Jahre: Die Zahl der Erkrankungen nahm hierbei um 39 Prozentpunkte ab. Hollenstein: "Das kommt daher, dass insgesamt weniger Erreger unterwegs sind."

Der "Haken" an der Behandlung: Jede der vier Teil-Impfungen kostet 117 Euro. Durchzuführen wären sie im dritten, vierten und fünften Lebensmonat des Kindes und noch einmal im zweiten Lebensjahr. Im Kinder-Impfplan ist sie nicht enthalten, nur für Säuglinge und Kleinkinder mit bestimmten Risiko-Faktoren - u.a. angeborene oder erworbene Immundefekte, chronische Krankheiten, Frühgeburten oder Geburtsgewicht unter 2.500 Gramm ist sie gratis.

Der Empfehlung des Impfausschusses des Obersten Sanitätsrates, die Pneumokokken-Impfung für Babys und Kleinkinder in die Reihe der kostenlosen Kinderimpfungen aufzunehmen, ist Ministerin Rauch-Kallat bisher allerdings nicht gefolgt. (APA)

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