ESA: Raumfahrtprogramm nicht gefährdet

28. Juli 2005, 18:15
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Europa fürchtet jedoch um den Einsatz des Weltraumlabors "Columbus"

Darmstadt - Die europäische Raumfahrtorganisation ESA sieht eine Verzögerung beim Flugplan der amerikanischen Space Shuttle-Flüge nicht als Katastrophe. "Es geht halt etwas zäher weiter, aber es geht weiter", sagte ESA-Direktoriumsmitglied Dieter Isakeit am Donnerstag.

Möglicherweise könne der nächste Shuttle-Flug erst im März starten, wenn nicht schon in wenigen Tagen die Ursache für die Ablösung des Schaumstoffs vom Außentank gefunden werde. Im Winterhalbjahr gebe es wegen der schlechten Lichtverhältnisse auf der Nordhalbkugel nur wenige Startmöglichkeiten. Licht sei für die lückenlose Kamera-Überwachung des Shuttles notwendig.

Betrieb

Der Betrieb auf der internationalen Raumstation ISS könne weitergehen, sagte Isakeit. Die ISS könne wie bisher mit russischen Raumschiffen versorgt werden, hatte er auch im Inforadio des RBB betont.

"Das Problem ist nur, dass diese zwar den Betrieb aufrechterhalten, aber nicht den weiteren Ausbau der Station gewährleisten können", sagte Isakeit. Nur das Shuttle könne die großen Bauteile tragen. Der geplante Ausbau beinhaltet auch den Einsatz des Weltraumlabors "Columbus".

Befürchtungen

Um dessen Einsatz wird inzwischen in Europa gefürchtet. Dies könnte nach Einschätzung von DLR-Vorstandschef Sigmar Wittig sogar zu einem politischen Thema zwischen Europäern und USA führen. Wittig sagte in einem Reuters-Interview, es könne lange dauern, bis die Probleme geklärt und die US-Shuttle-Flüge wieder aufgenommen würden. Er sehe sogar die Gefahr, dass der Einsatz von "Columbus" insgesamt in Gefahr kommen könnte. "Wir werden alles dafür tun, dass dieser Fall nicht eintritt", sagte er. Wenn die US-Zusagen in einem Regierungsabkommen, "Columbus" 2007 ins All zu bringen, in Gefahr komme, wäre das eine Frage für die Regierungen. Der industrielle Führer beim "Columbus"-Projekt, die EADS Space Transportation EADS, zeigte Verständnis für die NASA-Entscheidung, weitere Shuttle-Flüge zunächst zu stoppen.

Das Labor, das von mehreren europäischen Ländern in Kooperation und mit einem Auftragswert von 715 Millionen Euro hergestellt wurde, ist Europas zentraler Beitrag zur ISS. Mit 336 Millionen Euro sind deutsche Unternehmen unter den europäischen Partnern am umfangreichsten an dem Vorhaben beteiligt. Das Labor soll der Grundlagenforschung in vielen Bereichen, wie der Biologie, der Material- und der Humanforschung dienen.

Hintergrund

Die Europäer sind nach Angaben Isakeits inzwischen die größten ISS-Nutzer. Acht Mal seien ESA-Astronauten bisher zur ISS geflogen, davon sechs Mal mit russischen Sojus-Raumschiffen. Thomas Reiter, der als erster deutscher Astronaut im September mit dem Shuttle für einen längeren Aufenthalt zur ISS starten sollte, müsse sich nun gedulden, er werde aber sicher fliegen, sagte Isakeit. (APA/dpa)

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