Massiver Anstieg bei Zahl der Sozialhilfeempfänger

28. Juli 2005, 19:46
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Armutskonferenz: Von 2000 bis 2003 um 41 Prozent mehr - Anstieg auf über 100.000 im Jahr 2004 erwartet

Wien - In den letzten Jahren ist es zu einem massiven Anstieg der Sozialhilfeempfänger gekommen. Darauf machten am Donnerstag bei einer Pressekonferenz Vertreter der Armutskonferenz aufmerksam. Waren es im Jahr 2000 noch 68.201 Personen so erhöhte sich diese Zahl bis zum Jahr 2003 um 41 Prozent auf 96.102. Ein Drittel davon sind Kinder und Jugendliche. Für das Jahr 2004 erwartet die Armutskonferenz einen weiteren Anstieg der Sozialhilfeempfänger auf über 100.000.

Gründe

Gründe dafür sind unter anderem die Steigerung der Lebenshaltungskosten für Wohnen und Energie, erläuterte Sozialexperte Martin Schenk. Weiters seien Arbeitslosengeld oder Notstandshilfe auf Grund eines früheren geringen Einkommens oft nicht existenzsichernd. Daneben gebe es auch einen rasanten Anstieg von "working poor", also Arbeit von der man nicht leben kann. Bemerkbar mache sich auch die steigende Arbeitslosigkeit.

Regress

Schenk wies auch auf eine Reihe von Mängeln bei der Sozialhilfe hin. So müsse diese zurückbezahlt werden, wenn jemand wieder einen Job finde. Diese Regress-Praxis erweise sich als eine massive Armutsfalle, denn die Menschen würden danach ja meist nur über Jobs mit geringem Einkommen verfügen. Zudem verhindere diese Regelung auch den Anreiz einen Job zu finden. Schenk kritisierte auch die "undurchsichtige Richtsatzhöhe", die "beschämende Bedarfsprüfung" oder die mangelnde Krankenversicherung.

"Gnadenrecht"

Nach Ansicht von Schenk wirkt die Sozialhilfe derzeit weder armutsbekämpfend noch armutsvermeidend. Sie habe mehr den Charakter eines Gnadenrechts. Die Sozialhilfe brauche aber die Orientierung an sozialen Grundrechten. Die Armutskonferenz hat dazu auch bereits ein Konzept vorgelegt, das "Mindestsicherungs ABC".

Mindestsicherung ABC

"Mit einer Reform ist es nicht getan, es braucht ein umfassendes Konzept", betonte Michaela Moser, Vertreterin Österreichs im europäischen Anti-Armutsnetzwerk EAPN. Das Mindestsicherung ABC baue auf drei Säulen auf: Einer materiellen Mindestsicherung, die über der Armutsgrenze liegt. Weiters ein garantierter Zugang zu sozialen Dienstleistungen sowie die Verbesserung der Qualität der Arbeitsmarktpolitik. Mit der Kombination dieser drei ABC könnte die Armut in Österreich verringert und in Zukunft auch vermieden werden, ist Moser überzeugt. (APA)

Link

armutskonferenz.at

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