Großbrand auf Ölbohrinsel: Über 350 Arbeiter gerettet

29. Juli 2005, 00:22
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Die Insel ist gesunken - Sorge wegen Wasserverschmutzung - die Brandursache ist weiterhin unklar

Bombay - Nach dem Flammeninferno auf einer indischen Ölplattform haben Marine und Küstenwache die meisten Arbeiter gerettet. Der indische Ölminister Mani Shankar Aiyer sagte am Donnerstag vor dem Parlament in Neu Delhi, zehn Menschen seien getötet worden. Die Küstenwache in Bombay teilte mit, in einer dramatischen Rettungsaktion seien 367 Arbeiter in Sicherheit gebracht worden.

Sechs Menschen seien noch unter den Trümmern der ausgebrannten Plattform gefangen. Ein Arbeiter werde vermisst. Die Überlebenden wurden mit Schiffen nach Bombay gebracht.

Die Bohrinsel Mumbai High North war am Mittwoch rund 160 Kilometer vor der Küste Bombays in Brand geraten, nachdem ein Schiff mit ihr zusammengestoßen war. Manche der Arbeiter sprangen in Panik ins aufgewühlte Meer. Sie wurden in der Nacht von Schiffen der Küstenwache und der Marine gerettet. Flugzeuge warfen Rettungswesten über der See ab.

Sturmböen und hohe Wellen behinderten den Rettungseinsatz, sagte ein Sprecher der Indischen Öl- und Erdgasgesellschaft (Oil and Natural Gas Corporation - ONGC). Um Bombay herum tobten um Unglückszeitpunkt heftige Monsun-Unwetter.

Die Zerstörung der Bohrinsel versetzt der indischen Ölproduktion einen herben Schlag. Ölminister Aiyer sagte, nach dem Feuer nehme die Tagesproduktion um 110.000 Barrel Rohöl oder rund ein Sechstel der Gesamtfördermenge ab. Binnen vier Wochen sollten am Unglücksort aber wieder 70 Prozent der ursprünglichen Menge gefördert werden.

Vor dem Unglück produzierte Indien nach Angaben der Nachrichtenagentur PTI täglich rund 682.000 Barrel oder 34 Millionen Tonnen Rohöl. Indien importiert rund 70 Prozent des nationalen Ölbedarfs. Auswirkungen auf die Aktienmärkte an der wichtigsten indischen Börse in Bombay hatte das Unglück zunächst nicht. Die Börse blieb am Donnerstag wegen der verheerenden Unwetter in der Wirtschaftsmetropole geschlossen.

Auf der Plattform konnten bis zu 400 Menschen arbeiten, zum Zeitpunkt der Katastrophe waren es 384. Die ONGC war bereits Ende 1994 mit einem Brand an einem Erdgas-Bohrloch in Südindien in die Schlagzeilen geraten. Damals hatte das Feuer täglich fast eine Million Kubikmeter Erdgas verschlungen. Wochenlang schlugen 60 bis 80 Meter hohe Flammen aus dem Bohrloch.

Die bisher größte Katastrophe dieser Art ereignete sich am 27. März 1980 vor Norwegen: Im Sturm brach ein Pontonpfeiler der Versorgungsinsel "Alexander Kielland" im Ekofisk-Feld. Die Insel diente als schwimmendes Hotel und Erholungszentrum für die Mannschaft der Bohrinsel "Edda". Von den 212 Mann an Bord konnten 123 nicht gerettet werden. 75 wurden tot geborgen, 48 blieben vermisst. (APA)

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