Fesche Männer im Rock

11. Oktober 2005, 13:04
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Anfänge ohne Nieten: die Designstars von morgen beim Modewettbewerb "Its Four" in Triest

Modedesigner, das ist ein Job, der schillert und der funkelt. Der nach Spaß klingt und nach Glamour und einem vielleicht sogar ganz viele der ganz großen Scheine einbringt. Modedesigner, das ist ein Lebensentwurf wie mit der Schneiderschere der eigenen Träume zurechtgeschnippelt.

Nur dass sich dabei nicht wenige nach begonnener Laufbahn gehörig in die Finger schneiden. Denn Jobs gibt es nach absolviertem Designstudium im Kreativbereich kaum, und wer es auf eigene Faust versucht, der braucht eine große Portion Durchhaltevermögen, eine ausreichend finanzielle Grundversorgung, der braucht Glück und Kontakte - und der sollte zumindest einen der Modewettbewerbe, die es national und vor allem international für Jungdesigner gibt, gewonnen haben.

Jener vom Modelabel Diesel ausgerichtete wäre dabei keine schlechte Wahl. "Its" nennt er sich, und er wird seit nunmehr vier Jahren in Triest ausgetragen: für angehende Profidesigner eine der wichtigsten Talentbörsen. Mehr als 700 Bewerbungen aus 70 Ländern gab es in diesem Jahr, und wer es unter die 21 nach Triest geladenen Finalisten schaffte, der hatte bereits die größte Hürde genommen.

Aus Österreich schaffte diese Schwelle heuer niemand...

... trotz einer ganzen Reihe von gelungenen Kollektionen, mit denen sich vor allem die Studenten der Wiener Angewandten beworben hatten. Wie in den vergangenen Jahren dafür auch heuer wieder stark vertreten: die Hogeschool Antwerpen und das britische St. Martins College of Art and Design, die mit jeweils vier Studenten den Wettbewerb dominierten. Vor allem erstere Akademie räumte dann auch die Preise ab: eine Entscheidung, die im Falle der Israelin Eli Effenberger und ihrer bunt-morbiden Begräbniskollektion (sie erhielt den Jurypreis und den "Maria Luisa Award") nicht nachvollziehbar war, mit der aufregenden Kollektion von Christoph Froehlich allerdings umso mehr.

Der 28-jährige Deutsche (er gewann den "Diesel Award") bestach mit einer Herrenkollektion, die ungemein tragbar und doch sehr hintergründig ist. Keine theatralische Kollektion wie jene vieler Mitbewerber, keine Rüschenberge und kein Nietendekor. Dafür ein Spiel mit Verschiebungen und Transgressionen. Army-Muster werden in ihre Bestandteile aufgelöst, Schnitte mit leichten Änderungen neu umgesetzt. Allesamt sehr genau gearbeitete Outfits auf den Spuren von Raf Simons oder Hussein Chalayan. Umso verwunderlicher, dass Froehlich im Herbst zuerst einmal zu John Galliano gehen wird.

Der Däne Marcus Lereng Wilmont vom Royal College of Art in London, der Gewinner des Hauptpreises, wird dagegen zuerst einmal eine Kollektion für die nächstjährige Auflage des Wettbewerbs erarbeiten. Das Preisgeld von 20.000 Euro erhielt er für seine einnehmende Kollektion, die Bilder von Männlichkeit in Ost und West verband - ohne dabei in eine Ethno-Schiene abzugleiten oder durch den Einsatz vieler Röcke besonders effeminiert zu wirken.

Gehalten hat sich in diesem Jahr das Niveau des Wettbewerbs, neu dazu kam allerdings ein von Mini gesponserter Preis für Fotografie. (Er ging an Danielle Mourning.) Ähnlich wie der Modewettbewerb richtet sich auch "Its Photo" an Studenten von Kunstakademien. Noch ist die Zahl der Teilnehmer allerdings überschaubar. Aber das dürfte sich spätestens im kommenden Jahr ändern.
(Stephan Hilpold/Der Standard/rondo/29/07/2005)

  • Artikelbild
    foto: diesel
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