Zwist um steirische Frauenhäuser

27. Juli 2005, 19:40
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Vorstand tritt geschlossen zurück - Differenzen mit Land wegen Finanzierung

Graz - "So können und wollen wir nicht mehr weiterarbeiten", sagt Djamila Rieger, Vorstandsmitglied des steirischen Vereins Frauenhäuser. Deshalb werde der sechsköpfige Vereinsvorstand nun geschlossen zurücktreten.

Die Hintergründe dieses schon länger schwelenden Konfliktes zwischen den Frauenhaus-Verantwortlichen und dem steirischen Soziallandesrat Kurt Flecker liegen zum einen in der Finanzierung der Einrichtungen, zum anderen in den neuen landesgesetzlichen Bedingungen, die die Autonomie der Frauenhäuser beschneiden würden, argumentieren die Frauenhäuser-Vertreterinnen.

Keine Anonymität

Mit dem steirischen "Gewaltschutzeinrichtungsgesetz", mit dem der Aufenthalt von Frauen in den Häusern transparent geregelt werden soll, sei die Anonymität nicht mehr gegeben, kritisieren die Frauenhaus-Verantwortlichen, die eine Novelle des Gesetzes verlangen. Die Misshandelten müssten Details der Gewalterfahrung sowie persönliche Daten und jene des Misshandlers bekannt geben.

Rieger: "Frauen müssen jetzt zu einem Zeitpunkt, zu dem sie schwer traumatisiert sind, dem Land gegenüber schildern, was ihnen widerfahren ist." Ruth Jandrisevits, die Leiterin des Grazer Frauenhauses: "Frauen verlieren die Anonymität. Die gravierendste Auswirkung ist der Verlust der Anonymität. Die Einzelne, die zu uns kommt, kann nicht mehr darauf vertrauen, dass alles anonym bleibt. Zwei Beamtinnen in der Landesregierung entscheiden, ob der Aufenthalt bewilligt wird oder nicht." Es werde also die Autonomie der Betreuerinnen vor Ort in den Frauenhäuser verletzt.

Neben den neuen gesetzlichen Rahmenbedingung beklagt der Verein, dass die Einrichtungen unterdotiert seien: Auf der jetzigen Basis könnten die Frauenhäuser in Graz und Kapfenberg nicht in der Form weitergeführt werden.

Während Soziallandesrat Kurt Flecker entgegnet, dass mit dem Gewährten besser gewirtschaftet werden müsse. Der Verein sei finanziell ohnehin bestens ausgestattet. Flecker: "Wenn jemand mit dem höchsten Tagsatz österreichweit nicht auskommt, muss ich sagen können, dass eine bessere Form der wirtschaftlichen Gebarung notwendig ist." Er habe daher einen unabhängigen Wirtschaftsprüfer beauftragt, die Finanzen zu prüfen.

Der Frauenhaus-Verein hält dem entgegen, die Tagsätze von 48 Euro seien zu niedrig, 70 bis 80 Euro wären zur Aufrechterhaltung der Frauenhäuser notwendig. (mue/red/DER STANDARD, Printausgabe 28.07.2005)

Die Frauenhäuser Graz und Kapfenberg sind seit ihrer Eröffnung Mitglieder im Frauenhäuser-Netzwerk, in dem derzeit 25 Einrichtungen in ganz Österreich vernetzt sind. Weitere Informationen unter Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser.
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