Kolportiert: Gorbachs Sommerflucht

27. Juli 2005, 18:54
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Die Spekulationen um einen Abgang des Vizekanzlers reißen nicht ab

Die Spekulationen rund um einen vorzeitigen Abgang von BZÖ-Vizekanzler Hubert Gorbach wollen nicht abreißen. In den Ministerbüros wird neuerdings mit einer Schnelllösung der orangen Causa prima gerechnet: Gorbach soll nicht erst nach den Nationalratswahlen im Herbst 2006, sondern schon diesen Sommer seinen bereits zugesagten Job beim Tiroler Tourismusunternehmers Walter Klaus antreten.

Vor allem Klaus, so heißt es, dränge auf eine rasche Amtsübergabe, weil die gesundheitlichen Probleme des 71-Jährigen sein volles Engagement in seinem Unternehmen nicht mehr zulassen. Gleichzeitig sollen auch private Gründe Gorbach in seine Vorarlberger Heimat zurückziehen, wo seine Familie lebt.

BZÖ-Obmann Jörg Haider rechnet offenbar schon seit Längerem mit dem vorzeitigen Abgang seines Stellvertreters. Bereits im Mai formulierte er: "Was Gorbach betrifft, habe ich eine schlüssige Erklärung, die in seinem privatesten Bereich begründet ist."

Auch aus taktischen Gründen spricht vieles für eine schnelle Amtsübergabe im Hochsommer: Die öffentliche Aufmerksamkeit ist gering, das BZÖ könnte bereits mit neuer Mannschaft in die x-te "Jetzt starten wir aber wirklich durch"-Kampagne in den politischen Herbst gehen.

Als logische Nachfolgerin Gorbachs gilt BZÖ-Justizministerin Karin Gastinger, vormals Miklautsch. Ihr größter Vorteil: Sie gilt in der ÖVP als zuverlässige Partnerin. Mit ihr an der Regierungsspitze ließe sich ein neuerlicher Personalwechsel an Kanzler Wolfgang Schüssels Seite leichter als "Business as usual" darstellen. Denn Neuwahlen wollen die bereits ganz in den Vorbereitungen für den EU-Vorsitz steckenden Schwarzen nicht.

In der ÖVP stellen sich die wesentlichen Akteure jedenfalls schon auf die neue Frau Vizekanzlerin ein: Gastinger erhielt in den letzten Wochen auch von jenen schwarzen Ministern Kennenlernbesuche, mit denen sie regierungspolitisch ansonsten nicht viel zu tun hat. (DER STANDARD, Printausgabe, 28.7.2005)

von Barbara Tóth
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