Edelmesse in Monte Carlo

27. Juli 2005, 18:16
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Auf der 16. monegassischen Biennale der Antiquitätenhändler, Juweliere und Kunstgalerien strahlen bei den Vernissagen nicht nur Diamanten

Hochkarätiges von Basquiat bis zu alter Stammeskunst wird angeboten.


Monte Carlo - Die kleine monegassische Biennale der Antiquitätenhändler, Juweliere und Kunstgalerien findet das sechzehnte Mal im Gebäude des Sporting d'Hiver am riesigen Platz vor dem Kasino von Monte Carlo statt. Vom 30. 7. bis 7. 8. finden sich knapp dreißig Aussteller im Luxusambiente von Monte Carlo ein.

Statt des ursprünglichen Plans, eine Synergie zwischen der Monte-Carlo-Biennale und der im September stattfindenden Moskauer Antiquitätenmesse zu schaffen, führen die Gründer der Monaco-Biennale (Bellini, Perrin und Segoura) die Organisation ihrer seit 1975 laufenden Veranstaltung lieber doch selbst weiter.

Wie üblich funkelt und glänzt diese Edelmesse, wo die Damen für die Vernissage ihre hochkarätigen Juwelen aus sämtlichen Bankfächern der Côte d'Azur herausholen, mit reichem, vielfältigem Angebot. Diesmal sind weniger Juwelenhändler gekommen, dafür ist das Spektrum der Warensparten erweitert worden. Unter den neuen Ausstellern befindet sich eine der Pariser Spitzengalerien für zeitgenössische Kunst, Navarra, die ein auf Silbergrund festgehaltenes Porträt von Jean-Michel Basquiat, das Andy Warhol malte, sowie mehrere Basquiat-Gemälde anbietet.

Auch die Moderne ist mit der Pariser Galerie des Modernes vertreten, die ein auf Holz gemaltes Gemälde von Gaston Chaissac von 1964 mitgebracht hat, das charakteristisch für die Art Brut ist und zirka 90.000 Euro kostet. Besonders rührig ist der junge, fachkundige Stammeskunsthändler Jacques Dulon (Paris), der z. B. die 83 cm hohe, aus mehrfarbigem Holz geschnitzte Ahnenstatue "Kuyu" aus dem Kongo anbietet, auf deren Kopf ein Vogel sitzt. Sie kostet 180.000 Euro und kommt aus der Sammlung des französischen Bildhauers Arman, der zu den besten Stammeskunstsammlern der Welt zählt.

Auf dem Möbelsektor brilliert Segoura (Paris) mit einem besonders großen, abgerundeten, aufklappbaren Sekretär von BVRB (Bernard II Van Risen Burgh), der auch einen Stempel des königlichen Möbeldepots Versailles von 1745 trägt. Der 100 cm hohe, 136 cm breite und 68 cm tiefe Schreibtisch ("bureau dos d'âne") mit kostbarem Holzfurnier stammt aus der Sammlung Alexander und kostet rund eine Million Euro.

Bei Perrin sieht man eine Mahagoni-Konsole, die dem in Frankreich tätigen deutschen Ebenisten Johann-Ferdinand Schwerdfeger zugeschrieben wird (um 1760) und auf der eine dreiteilige Garnitur aus weißem China-Porzellan mit ziselierter und vergoldeter Bronzemontur steht, die zwischen 1780 und 90 in Österreich hergestellt wurde und mit 85.000 Euro angesetzt ist. Flore de Brantes (Galerie Flore, Paris) zeigt ein die Jahrhunderte durchquerendes Möbelsortiment, worunter ein klar strukturiertes Konsolenpaar mit weißen Marmorplatten und schwarzen Eisenfüßen, das Marc du Plantier 1952 entwarf, 30.000 Euro kosten soll.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.7.2005)

Von
Olga Grimm-Weissert

  • 90.000 Euro kostet dieses Gemälde von Gaston Chaissac.
    foto: galerie des modernes

    90.000 Euro kostet dieses Gemälde von Gaston Chaissac.

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