Heimspiel, auswärts

27. Juli 2005, 21:09
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Die Wiener Philharmoniker mit Strauss in Salzburg

Salzburg – Die Wiener Philharmoniker traten am Montag und Dienstag zur Konzerteröffnung der Festspiele nicht nur als unsere Besten an, sondern gewissermaßen auch als Anfängliche.

Dies darf betont werden, denn es hat in der Ära Gerard Mortier ja bekanntlich intern heftigst diskutierte Programmplanungen gegeben, die zunächst den – wohlvorbereiteten – Gastorchestern zeitlich den Vorzug gaben, während die Philharmoniker noch Oper probten und sich als Konzertorchester erst später klingend zu Wort melden durften.

Großzügig, brillant

Nun jedoch brillierten sie – gleichsam auswärts heimspielend – mit Werken von Richard Strauss, öffneten großzügig ihren Schatzkasten des seidigen, güldenen, samtenen, brokatenen Klanges, wirbelten in den jugendlichen Genieformulierungen des Don Juan, versteiften, ja verästelten sich in die Instrumentalphilosophie des Zarathustra, als gälte es noch in den verstiegensten instrumentalen Denk- und Assoziationsspielen das Allgemeine einer orchestralen Umgangssprache herauszuzaubern.

Sicher ist dies auch das Verdienst des Dirigenten Christian Thielemann, dem augenblicklich sicher deutschesten unter den deutschen Orchesterleitern.

Denn es scheint ihm die Musik des großen Bajuwaren stete Herausforderung und Selbstverständlichkeit zugleich zu sein. Das heißt mit anderen Worten: Er steckt im besten Sinne bis zum Halse in den instrumentalen Wellen und Wogen, lässt sich tragen und fortschwemmen, aber er ist auch in der Lage zu zügeln, zu straffen, um dem Hörer zu zeigen, woher und wohin dem musikalischen Sinne nach die Reise kommt und geht.

Zwischen den rein orchestralen Projekten vier wenig aufgeführte Lieder aus den Opera 33 und 44 mit Thomas Hampson als klugem Moderator und Reflektor, dem die Nuance nicht über das Gesamte geht – und der im größeren melodischen wie sprachlichen Bedeutungsbogen auch das Minimale nicht überhört.

Fazit: ein – das allgemeine Wort sei erlaubt – schöner philharmonischer Beginn der Festspiele, an dem die Gastorchester zu messen sein werden.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.7.2005)

Von Peter Cossé
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