Das Geld wird nicht mehr, also ...

27. Juli 2005, 21:09
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Das Musikfest Bremen koproduziert mit den Salzburger Festspielen Mozarts "Mitridate"

Wien – Mit rund zwei Dutzend Veranstaltungen, einer Gesamtkapazität von 25.000 Plätzen und einem Budget von gut drei Millionen Euro gehört das Musikfest Bremen zu den mittelgroßen Spielern in der Liga der europäischen Musikfestivals. Doch in der Historie des Musikfests scheinen kontinuierlich prominente Namen auf: Nikolaus Harnoncourt ist Stammgast in Bremen, auch die Berliner Philharmoniker schauen des Öfteren vorbei. In diesem Jahr verstrahlen die Namen Riccardo Muti, Paavo Järvi, Fazil Say oder Hélène Grimaud prominenten Prunk.

Das Musikfest Bremen, sprechsprudelt Intendant und Gründer Thomas Albert fröhlich im Gespräch mit dem STANDARD, trachte immer danach, jene Ensembles zu präsentieren, die "in ihrem jeweiligen Bereich interpretatorisch führend sind"; als weiteres Charakteristikum des Festivals seien wohl die ungewöhnlichen Veranstaltungsorte anzuführen. In einem Kaffeelager, einer Schiffswerft oder einem Flugzeughangar hat Albert schon musizieren lassen (in Letzterem übrigens keine Geringeren als Jessye Norman oder Simon Rattle); gerade wurde eine ehemalige Staplerhalle im revitalisierten Hafenviertel zu einem kleinen Festspielhaus "der anderen Art" umgebaut.

Dort wird am 4. September ein frühes Werk Wolfgang Amadeus Mozarts seine Bremer Uraufführung erleben: Mitridate, re di Ponto, eine Koproduktion mit den Salzburger Festspielen, wo heute Premiere gefeiert wird. Diese suchten im Hinblick auf das herandräuende Mozartjahr 2006, in welchem in der Salzachstadt alle 22 Bühnenwerke des Meisters aufgeführt werden wollen, nach Partnern – und wurden unter anderem in der Person Alberts bzw. des von ihm seit 17 Jahren geführten Musikfests Bremen fündig. Den Grund für eine künstlerische Kooperation umreißt Albert in hanseatischer Nüchternheit: "Das Geld wird nicht unbedingt mehr."

Eine Zusammenarbeit dieser Art halbiere die Kosten einer szenischen Produktion in etwa; durch die ausreichende geografische Distanz zur Mozartstadt sieht Albert den Exklusivitätsanspruch für sein Publikum dennoch gewahrt.

Neben Mitridate wird 2006 auch Mozarts Il re pastore zusammen mit Salzburg auf szenische Beine gestellt. Der Aufführungsort in Salzburg, der Residenzhof, sowie jener von Bremen, des BLG-Forum Überseestadt, verfügen über fast identische Maße: "ein Idealfall", schwärmt Albert. Ideal ist für ihn auch der musikalische Leiter der Produktion: Marc Minkowski ist Albert "schon seit vielen, vielen Jahren ein guter Freund".

Alberts Erfolgsrezept für Bremen? "Polarität. Topstars und junge, unbekannte Künstler, Altes und Neues, Bekanntes und Unbekanntes, Zeitgenössisches und komplett Verrücktes neben- und miteinander. Und das jeweils in der besten, aktuellsten, aufregendsten Einschätzung."

Würde es den Langzeitkapitän des Bremer Musikfests denn auch reizen, einmal die Kommandobrücke eines so großen Festivalkreuzers, wie die Salzburger Festspiele einer sind, zu übernehmen? – "Na ja", meint Albert, "es wäre auf jeden Fall eine Herausforderung für mich." Und schmunzelt gleich darauf: "Aber ich bin nicht sicher, ob es mich glücklicher machen würde."
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.7.2005)

Von Stefan Ender

Link

musikfest-bremen.de

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