USA: Abzug beginnt 2006

29. Juli 2005, 22:12
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US-General nennt Frühjahr und Sommer 2006 als möglichen Termin - Jafaari drängt

Bagdad - Der irakische Premierminister Ibrahim al-Jaafari hat am Mittwoch einen zügigen Abzug der US-Truppen aus seinem Land gefordert. Bei einer Pressekonferenz mit US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld in Bagdad sagte er, es sei an der Zeit, eine geordnete Übergabe der militärischen Kontrolle von den Amerikanern an die Iraker zu planen.

Der große Wunsch des irakischen Volkes sei es, zu sehen, dass die Koalitionstruppen abziehen und die neuen irakischen Sicherheitskräfte mehr Verantwortung übernehmen, sagte Jaafari im Beisein von Rumsfeld. Zugleich sprach der US-Oberkommandierende im Irak, General George Casey, von der Möglichkeit eines "bedeutenden Abzugs" der amerikanischen Truppen im Frühjahr und Sommer 2006.

Casey wählte angesichts der ungebrochenen Serie von Anschlägen im Irak allerdings sehr vorsichtige Formulierungen: Er glaube, die USA seien "immer noch in der Lage", solche Truppenreduzierungen im nächsten Jahr durchzuführen. Voraussetzung sei, dass der politische Prozess "weiter positiv verläuft, die Entwicklung der (irakischen, Anm.) Sicherheitskräfte weiter läuft, wie sie läuft", erklärte Casey. (DER STANDARD, Printausgabe, 28.7.2005)

Ein Bericht der internen Revision des US-Außenministeriums und des Pentagons kam indes zu anderen Schlüssen. Demnach haben Aufständische die neu gebildeten Polizeikräfte im Irak unterwandert. Deshalb sei auch eine strengstmögliche Nachprüfung aller Aufnahmeanträge notwendig, heißt es in dem Bericht. Angesichts von 1600 getöteten Polizisten wird die Qualität der Ausbildung von Sicherheitskräften infrage gestellt. Es herrsche der Eindruck, dass die Ausbildungsprogramme "Kanonenfutter" produziert hätten und sich die so genannten Polizisten nicht selbst verteidigen könnten.

Auch die beiden ehemaligen US-Sicherheitsberater Samuel Berger und Brent Scowcroft gehen in einer nun veröffentlichten Studie mit der US-Regierung hart ins Gericht. "Die Kosten, menschlich, militärisch und wirtschaftlich, sind hoch und werden weiter steigen", heißt es in dem Bericht. Es sei ein Fehler gewesen zu glauben, dass für den Wiederaufbau des Irak nicht mehr Truppen nötig seien als für die Invasion. (Reuters, dpa, red/DER STANDARD, Printausgabe, 28.7.2005)

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    Premier Jaafari bei der Pressekonferenz mit US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld in Bagdad.

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