Todesfluch gegen Sharon: "Hetze"

30. Juli 2005, 15:52
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Israelische Friedensbewegung kritisiert Fernsehsender

Jerusalem/Paris – Nach dem Todesfluch ultrarechter Israelis gegen Ministerpräsident Ariel Sharon hat die israelische Friedensbewegung? "Peace Now" den privaten Fernsehsender "Channel 2", beschuldigt, Hetze zu fördern. Nachdem der Sender ein Video mit der Verwünschungszeremonie gekauft hatte, forderte "Peace Now" laut einem Bericht der Tageszeitung Ha'aretz die staatliche Fernsehbehörde auf, die Ausstrahlung der Aufnahme zu verhindern.

Die Extremisten hatten die in der jüdischen Tradition äußerst selten angewandte "Pulsa Dinura", einen religiösen Todesfluch, in einer Zeremonien auf einem Friedhof in Nordisrael ausgesprochen. Michael Ben-Horin, einer der Organisatoren, sagte laut Ha'aretz, angesichts des Schutzes für Sharon, der "zehnmal größer ist, als er für Hitler und Stalin war", könne niemand den Premier töten. Deshalb habe man die "Engel der Zerstörung" angerufen, Sharon zu beseitigen.

Gegen den israelischen Regierungschef Yitzhak Rabin war 1995 ein ähnlicher Todesfluch ausgesprochen worden. Wenige Wochen später wurde er von einem jüdischen Fanatiker erschossen.

Sharon ist am Mittwoch in Paris erstmals seit vier Jahren wieder von Frankreichs Staatschef Jacques Chirac empfangen worden. Der bis Freitag dauernde Besuch steht unter dem Zeichen verbesserter Beziehungen nach jahrelangem Streit um Israels Umgang mit den Palästinensern und um antisemitische Übergriffe. Sharon lobte bei dem Treffen am Mittwoch Chiracs Engagement gegen den Antisemitismus.

Israelische Siedlerführer organisieren unterdessen einen neuen Massenprotest gegen den Gaza-Abzug. Ab Dienstag sollten sich Gegner der Räumung in der israelischen Kleinstadt Sderot versammeln, um von dort aus in den zum militärischen Sperrgebiet erklärten Siedlungsblock Gush Katif zu marschieren, kündigten Siedlervertreter am Mittwoch in Jerusalem an. (red, Reuters, AFP/DER STANDARD, Printausgabe, 28.7.2005)

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